Politik : Zugriff nach 27 Jahren

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Von Gerd Höhler, Athen

Als sich vergangene Woche im Hafen von Piräus der 40-jährige Savvas Xiros mit einer Bombe beinahe in die Luft gesprengt hätte, hat ihn die Polizei zunächst als kleinen Fisch aus linken Anarchistenzirkeln bezeichnet. Doch offensichtlich wurde er schon seit längerem von Terrorismus-Experten beschattet. Denn vermutlich ist der gelernte Ikonen-Maler Xiros eine der zentralen Figuren der „Revolutionären Organisation 17. November“, jener Terrorgruppe, nach der die griechische Polizei seit 27 Jahren fahndet. Xiros trug einen Revolver bei sich, den die Gruppe 1984 bei einem Banküberfall von einem getöteten Polizisten erbeutet hatte. Seine Fingerabdrücke fanden sich auf einem Fluchtfahrzeug, mit dem Attentäter 1997 nach der Ermordung des Reeders Kostas Peratikos entkommen waren. Eine weitere Zeugin glaubt, in Xiros einen der Mörder des Politikers Pavlos Bakojannis, der 1989 vom „17. November“ erschossen wurde, zu erkennen.

Außerdem passt ein bei Xiros gefundener Schlüssel zu jener Athener Wohnung, in der die Polizei ein Waffenarsenal der Terrorgruppe entdeckte: Pistolen, Gewehre, Munition, Granaten, die aus einem Überfall auf ein Armee-Depot stammen und bei Anschlägen auf die US-Botschaft in Athen und die Residenz des deutschen Botschafters verwendet wurden, Bekennerschreiben zu früheren Anschlägen, die rote Flagge mit den Insignien der Organisation und ihr Stempel. Am Samstag hob die Polizei ein zweites Waffenlager aus. Dort tauchten Waffen auf, die bei 17 Anschlägen verwendet worden waren.

Die 2004 in Athen geplanten Olympischen Spiele und die EU-Ratspräsidentschaft 2003 haben offensichtlich den Handlungsdruck auf die Polizei erhöht. Auch die Änderung der Anti-Terror-Gesetze, die jetzt eine Kronzeugenregelung vorsehen, scheint Früchte zu tragen. Man stütze sich bei den Ermittlungen auch auf Aussagen von reuigen Terroristen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft.

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