Zugunglück bei Bad Aibling : Behutsam und unaufgeregt

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft das Unglück aufklären, verdient Respekt. Ein Kommentar

Arno Makowsky
Ein Feuerwehrmann und ein Polizist betrachten Kränze am 10. Februar 2016 vor der Unfallstelle eines Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling.
Ein Feuerwehrmann und ein Polizist betrachten Kränze am 10. Februar 2016 vor der Unfallstelle eines Zugunglücks in der Nähe von...Foto: dpa

Das schreckliche Foto der entgleisten, ineinander verkeilten Zugwaggons – bei jedem Betrachten löst es wieder ein Schaudern aus. Wie mag es den Menschen gehen, die das Unglück von Bad Aibling knapp überlebt haben, wie denen, die dabei Angehörige verloren? Und: Wie verzweifelt muss der Mann sein, auf dessen Versagen die Katastrophe mit elf Toten zurückgeht? Die Staatsanwaltschaft in Traunstein ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen ihn. Und sie geht bei diesen Ermittlungen behutsam, unaufgeregt – ja geradezu vorbildlich vor.

Natürlich besteht im Moment kein Haftgrund gegen den Fahrdienstleiter, es geht eher darum, ihn vor der Öffentlichkeit und vielleicht auch vor sich selbst zu schützen. Deshalb ist es richtig, keine Interna aus der Vernehmung preiszugeben, sondern darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte noch in letzter Sekunde versucht hat, einen Notruf abzusetzen. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft das Unglück ruhig und sachlich aufklären, wie bei den Hinterbliebenen psychologische Betreuung geleistet wird – das verdient Respekt. Es geht um eine Tragödie mit größtem menschlichen Leid. Die Behörden reagieren darauf angemessen.

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