Politik : Zukunftssorgen der Deutschen nehmen zu

„Perspektive-Deutschland“: Vor allem im Westen wird die Stimmung schlechter, im Osten dagegen regt sich Optimismus

Christian van Lessen

Berlin - In Deutschland machen sich viele Menschen Zukunftssorgen. Nur ein knappes Drittel der Bundesbürger (28 Prozent) geht davon aus, in fünf bis zehn Jahren noch gut in der Bundesrepublik leben zu können. Nach einer McKinsey-Umfrage, deren Ergebnisse am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurden, sorgt sich zudem fast jeder zweite um seinen Job, über die Hälfte der Deutschen erwartet, dass sich ihre persönliche finanzielle Situation verschlechtern wird. Die Befragung zeigte aber auch einen Stimmungsumschwung in Ostdeutschland: Dort schätzten in den Wachstumsregionen die Menschen ihre Lebensverhältnisse deutlich besser ein als vor einem Jahr. Die Stimmung im Westen dagegen wird schlechter.

„Perspektive-Deutschland“ ist nach Angaben der Organisatoren die größte gesellschaftspolitische Online-Umfrage weltweit. Initiatoren sind neben der Unternehmensberatung McKinsey der „stern“, das ZDF sowie das Internet-Unternehmen AOL. An der vierten Auflage der Umfrage beteiligten sich mehr als 500000 Menschen.

Besonders in Westdeutschland fühlen sich die Menschen auch an ihrem Wohnort weniger wohl. So waren dort 2003 noch 76 Prozent mit ihrem Lebensumfeld zufrieden, jetzt sind es nur noch 72 Prozent. In Ostdeutschland sind es dagegen etwas mehr als 50 Prozent. Die zufriedensten Deutschen leben weiterhin im Süden und Südwesten, in Bayern und Baden-Württemberg. Stuttgart und München sind die offenbar lebenswertesten unter den 15 größten Städten, gefolgt von Hamburg, Hannover, und Köln. Berlin belegt den 14. Platz, Duisburg ist Schlusslicht. Stark im Kommen ist Leipzig, die Stadt rangiert bei der in fünf bis zehn Jahren „erwarteten Zufriedenheit“ auf Platz 4. Berlin hat, was die Hoffnungen für die kommenden Jahre anbelangt, immerhin den 11. Platz erreicht.

„Ermutigend“ nannte Schirmherr und Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, dass die Zufriedenheit in Ostdeutschland von 41 Prozent vor zwei Jahren auf jetzt 52 Prozent gestiegen ist. Heiko Faßbender von McKinsey sagte, man spüre im Osten „zum ersten Mal Licht“, die Arbeitslosenzahlen seien etwas gesunken, die Einkommen hätten sich verbessert. Unter den Aufsteigern bei der Zufriedenheit sind ausschließlich ostdeutsche Regionen. Allerdings belegen bei den insgesamt 117 untersuchten Regionen vor allem ostdeutsche Städte und Gemeinden auch die unteren Ränge der Stimmungsskala. Erstmals aber ist der Westen dort präsent, und zwar mit Oberfranken Ost, der Westpfalz, sowie der Region Bremerhaven.

Erfolgreiche Regionen, so Faßbender, zeichneten sich vor allem durch starke Führungspersönlichkeiten in Politik, Wirtschaft und Verwaltung aus, ferner durch ein attraktives Bildungs- und Kinderbetreuungsangebot. Die Umfrage habe auch gezeigt, dass der Glaube an die Reformfähigkeit der Politik wachse und entsprechendes Misstrauen leicht zurückgegangen sei. „Aber es gibt eben kein wichtigeres Thema als Arbeit“, schlussfolgerte der Deutschland-Chef von McKinsey, Jürgen Kluge. Nach der Umfrage würde allerdings nur eine Minderheit zur Rettung ihres Arbeitsplatzes finanzielle Opfer bringen wollen. Es werde lieber mehr gearbeitet als auf zehn Prozent Lohn verzichtet.

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