Politik : Zum 11. September droht Al Qaida mit neuem Terror

Die Welt gedenkt der Anschläge von vor fünf Jahren Merkel: Der Westen muss das Völkerrecht achten

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New York/Kairo - Zum fünften Jahrestag der Anschläge vom 11. September hat das Terrornetzwerk Al Qaida mit neuen Angriffen gedroht. Die Fernsehsender CNN und Al Dschasira strahlten am Montag eine Erklärung von Osama bin Ladens Stellvertreter Aiman al Sawahiri aus, der gezielte Anschläge auf die Golfregion und auf Israel ankündigte. Eine Warnung richtete er auch an die UN-Friedenstruppe, die nun den Waffenstillstand im Libanon überwachen soll.

„Ihr habt uns jedes Recht und jede Gelegenheit gegeben, Euch weiter zu bekämpfen“, sagte Sawahiri an die Adresse des Westens gerichtet. „Ihr solltet nicht Eure Zeit damit verschwenden, Eure Truppen im Irak und in Afghanistan zu verstärken, denn deren Schicksal ist besiegelt“, sagte er weiter. „Stattdessen müsst Ihr Eure Truppen in zwei Regionen verstärken. Die erste ist der (Persische) Golf, von wo Ihr schon bald vertrieben werdet (...) und die zweite ist Israel.“

Weltweit wurde am Montag der Anschläge in den USA gedacht. Vor fünf Jahren hatten 19 Al-Qaida-Attentäter entführte Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center (WTC) in New York und das Pentagon bei Washington gelenkt. Ein viertes Flugzeug, dessen Passagiere sich offenbar gegen die Entführer zur Wehr gesetzt hatten, stürzte in Pennsylvania ab. Bei den Anschlägen wurden fast 3000 Menschen getötet, allein in der Millionenmetropole waren es 2759. Nach den Anschlägen führten die USA Krieg gegen Afghanistan, dessen Talibanregierung Al Qaida Unterschlupf gewährt hatte, und 2003 gegen den Irak. Inzwischen wird eine Verbindung des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein zur Al-Qaida-Führung international stark bezweifelt.

Wegen des Angriffs auf die USA rief die Nato noch im September 2001 zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Bündnisfall aus. Nach dem Sturz des Talibanregimes in Afghanistan beschloss der Weltsicherheitsrat, eine internationale Friedenstruppe für das Land aufzustellen. Daran ist seit 2002 auch die Bundeswehr beteiligt; derzeit mit 2884 Soldaten.

Um 8 Uhr 46 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem damals das erste Flugzeug ins WTC in New York einschlug, hielt Amerika am Montag inne. US-Präsident George W. Bush und seine Frau Laura verbrachten die Minute in einer Feuerwehrwache an der Lower East Side gemeinsam mit Feuerwehrleuten und Rettungshelfern, die 343 Kollegen verloren hatten. Drei weitere Schweigeminuten markierten später den Einschlag des zweiten Flugzeugs in den zweiten Turm sowie den Einsturz des WTC. Am Ground Zero, wo die WTC-Türme gestanden hatten, verlasen Ehe- und Lebenspartner der Opfer alphabetisch die Namen der Toten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Namen des deutschen Volkes der Opfer gedachte, erklärte in Berlin, Militäreinsätze könnten in Einzelfällen unvermeidlich sein, wie das Beispiel Afghanistan zeige. „Aber auch im Kampf gegen den Terrorismus darf der Zweck nicht die Mittel heiligen.“ Achtung des Völkerrechts, Toleranz und Respekt vor anderen Kulturen müssten neben Entschlossenheit und internationaler Geschlossenheit die Maxime des Handelns sein.

Der US-Botschafter in Deutschland, William Timken, rief die Europäer auf, im Kampf gegen den Terrorismus mehr Engagement zu zeigen. Von Amerikas Verbündeten erwarte er, „dass sie die Ernsthaftigkeit der Bedrohung bewusster zur Kenntnis nehmen und dass sie stärker bereit sind, diese Bedrohung zu überwinden“, sagte Timken der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Zugleich verteidigte er die Kriege in Afghanistan und im Irak sowie die Einrichtung von Geheimgefängnissen durch die USA. Dadurch seien tausende Leben gerettet worden, die Terroristen seien seither auf der Flucht. Tsp

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