Politik : Zum Arzt ohne Wartezeit: Kasse plant eigene Versorgung

Rainer Woratschka

Berlin - Im Kampf gegen die Benachteiligung von Kassenpatienten in Arztpraxen geht die Techniker Krankenkasse (TK) eigene Wege. Anfang nächsten Jahres will sie in großen Ballungszentren wie Berlin mit dem Aufbau eigener medizinischer Versorgungszentren beginnen, in denen ihre Versicherten dann „gar nicht oder nicht mehr lange warten müssen“, sagte TK-Sprecher Hermann Bärenfänger dem Tagesspiegel.

Die Gesundheitsreform setze auf verstärkten Wettbewerb, und „positionieren müssen wir uns dort, wo es um den Service geht“, begründete der Sprecher den Vorstoß. In eigenen medizinischen Zentren könne man den Versicherten nicht nur bessere, integrierte Versorgung nach dem Vorbild der DDR-Polikliniken bieten, sondern beispielsweise auch längere Öffnungszeiten. Die Zentren könnten auch samstags geöffnet haben – für diejenigen, die es während ihrer Arbeitswoche nur schwer in eine Praxis schafften. Ins Krankenhaus gehörten am Wochenende schließlich – auch aus Kostengründen – nur die Notfälle.

Seit 2004 dürfen die Kassen mit Ärzten auch direkt Verträge abschließen. Diese Möglichkeit macht sich die TK mit ihren vier Millionen Mitgliedern nun zunutze. In eigenen Zentren könne man den Preis von Leistungen ebenso verhandeln wie Qualitätsanforderungen, so der Sprecher. Natürlich werde man auch Versicherten anderer Kassen Hilfe nicht versagen. Allerdings würden die dann nicht vorrangig, sondern so wie in anderen Praxen auch behandelt. Das Ziel sei natürlich, „dass sie vom Service der TK begeistert sind und zu uns wechseln“.

In der vergangenen Woche hatte das Wissenschaftliche Institut der AOK eine Studie veröffentlicht, nach der trotz akuter Beschwerden jeder vierte gesetzlich Versicherte beim jüngsten Arztbesuch mindestens zwei Wochen auf einen Termin warten musste. Bei privat Versicherten war dies nur bei knapp acht Prozent der Fall. 33 Prozent der Kassenpatienten empfanden die Wartezeit auf ihren Arzttermin als zu lang. Das Gesundheitsministerium hatte die Diskriminierung von Kassenpatienten als sehr häufig bezeichnet und die Krankenkassen aufgefordert, ihre neuen Möglichkeiten beim Umgang mit Ärzten zu nutzen.

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