Politik : Zum Baden nach Syrien

Clemens Wergin

Nichts an diesem Krieg ist so mysteriös wie der Verbleib von Saddam Hussein. Lebt er noch? Ist er in Bagdad? Manche glauben, der Diktator sei längst tot, die Fernsehbilder seien vor dem Krieg aufgezeichnet worden. Ansonsten wäre es ihm ja leicht gefallen, die Gerüchte zu entkräften. Eine Zeitung mit dem Datum des Aufnahmetags in die Kamera zu halten, das hätte genügt. Zweifler dieser These weisen darauf hin, Saddam sei auch im Golfkrieg 1991 untergetaucht, um wenig Spuren zu hinterlassen.

Am weitesten wagen sich die Debkafiles vor, ein von israelischen Journalisten betriebener Internetservice, dem gute Kontakte zu Geheimdiensten nachgesagt werden. Dort wurde vor einiger Zeit berichtet, die erste Frau Saddam Husseins sei mit 60 Leibwächtern und viel Gepäck nach Syrien vorgeschickt worden. Debka will nun auch den Fluchtort Saddams ausgemacht haben. Der Diktator habe die gesamte Hotelanlage „Côte d’Azur De Cham“ im am Mittelmeer gelegenen syrischen Badeort Latakijah gemietet und im Voraus bezahlt. Zwei hochrangige irakische Funktionäre seien schon eingetroffen. Der Ort werde von einer syrischen Kommandoeinheit bewacht, die mit Flugabwehrraketen und Raketenbooten ausgerüstet sei. Debka ist sich nur unsicher, ob Saddam schon angekommen ist. In Bagdad werde er aber nicht mehr vermutet, weil seine Leibgarde statt bei ihm bei der Verteidigung des Bagdader Flughafens gesichtet worden sei. Darf man das glauben?

Die Amerikaner berichten, dass gefangene irakische Soldaten von Gerüchten in der Truppe über den Verbleib ihres Anführers erzählen. Andererseits räumen US-Offizielle ein, dass sie diese Gerüchte zu verstärken suchen, damit die gegnerischen Truppen auseinander brechen. Wo immer Saddam jetzt auch sein mag, die Amerikaner, so berichtet Debka, hätten ihm noch eine Route gen Syrien offen gehalten. Wenn er noch lebt, soll er lieber heute als morgen verschwinden.

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