Politik : Zum Jahr 2000 soll eine Million Häftlinge freikommen

Anlässlich des Jahrtausendwechsels hat der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung eine große Amnestie angekündigt. Insgesamt sollen einer Million Menschen die Strafen erlassen werden, wie Kim am Mittwoch in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache bekanntgabe. Zu den Amnestie-Maßnahmen gehören Haftentlassungen ebenso wie die Aufhebung von Bewährungsstrafen und die Streichung von Bußgeldern. Auch zwei wegen Spionage einsitzende nordkoreanische Häftlinge werden begnadigt. Kim strebt nach eigenem Bekunden seit seinem Amtsantritt im Februar 1998 eine Versöhnung mit dem kommunistisch regierten Nordkorea an.

Die beiden Nordkoreaner Son Song-Mo und Shin Kwang-Su waren in den 80er Jahren wegen Spionage für ihr Heimatland festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bisher verbüßten die beiden 71-Jährigen 19 beziehungsweise 15 Jahre Freiheitsentzug. Pjöngjang hatte wiederholt die Freilassung der letzten nordkoreanischen Häftlinge in Südkorea gefordert. Nur unter dieser Voraussetzung könnten die Beziehungen zwischen den beiden Staaten verbessert werden, die ihren Krieg von 1950 bis 1953 nie durch einen offiziellen Friedensvertrag beendeten.

Nach der Amnestie werde es keine Langzeit-Gefangenen mehr in den südkoreanischen Haftanstalten geben, sagte Kim. Die Maßnahme solle einer "großen nationalen Versöhnung" am Ende des Jahrhunderts dienen. Alle Bürger des Landes sollten Streitigkeiten zwischen Ehepartnern, Geschwistern, Freunden, Nachbarn und Kollegen beenden. "Lasst uns Konfrontation und Konflikt durch Versöhnung und Harmonie ersetzten", rief Kim seine Landsleute auf. In den letzten zwei Jahren begnadigte Kim 24 politische Häftlinge, in der Mehrzahl wegen Spionage verurteilte Nordkoreaner.

Seit dem Amtsantritt von Kim im Februar 1998 wurden vier Amnestien erlassen. Im März des vergangenen Jahres kamen 5,5 Millionen Menschen, darunter politische Gefangene, Kriminelle aber auch Verkehrssünder in die Gunst einer Sonderamnestie. Kim rief die Bevölkerung auf, sich für Versöhnung und Eintracht zwischen den Regionen, sozialen Klassen und Geschlechtern einzusetzen. Zuletzt hatte die Regierung im Februar 17 politische Häftlinge freigelassen, darunter auch den mutmaßlich am längsten einsitzenden Häftling der Welt. Der 71-jährige Woo Yon Gak hatte wegen Spionage mehr als 40 Jahren in Einzelhaft gesessen.

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