Zum Tod von Ariel Scharon : Krieger, Held und Bösewicht

Viele Israelis werden den Tod des einstigen Regierungschefs allenfalls mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen. Das ist verwunderlich. Schließlich gehörte Ariel Scharon zur Gründergeneration und hat die Geschicke des jüdischen Staates lange Zeit gelenkt. Ein Nachruf.

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Ariel Scharon starb am 11. Januar 2014.
Ariel Scharon starb am 11. Januar 2014.Foto: dpa

Er hat viele Schlachten geschlagen. Militärisch wie politisch. Einige wichtige hat der bullige Mann gewonnen und sich damit einen Namen gemacht. Andere gingen verloren, haben ihm Schimpf und Schande eingebracht. Doch Ariel Scharon war nicht nur ein Haudegen, ein Haudrauf, sondern auch ein Steher. Einer, der Niederlagen wegsteckte und es verstand, diese mit großem taktischem Geschick in Erfolge umzumünzen. Einer, der bereit war, seine Ideologie pragmatisch den Gegebenheiten anzupassen. Gleichwohl kämpfte er für seine Überzeugungen. Wenn Scharon etwas für wichtig und damit richtig hielt, versuchte er mitunter brutal und skrupellos, jeden Widerstand aus dem Weg zu räumen. „Bulldozer“ nannten ihn Gegner und Anhänger. Doch am Ende hat die Kraft nicht mehr gereicht. Seine letzte Schlacht, die gegen seinen Körper, hat er nun verloren.

Wenige Israelis interessierten sich für Scharons Schicksal

Viele Israelis werden den Tod des einstigen Regierungschefs aber allenfalls mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen. Schon seit Jahren interessierte sich außer den beiden Söhnen kaum jemand mehr für das Schicksal des alten Herrn im Wachkoma. Eigentlich verwunderlich. Schließlich gehörte Scharon zur Gründergeneration, hat die Geschicke des jüdischen Staates lange Zeit gelenkt, das Land und seine Politik geprägt. Und wie kaum ein anderer hat er polarisiert und provoziert, wurde wahlweise gehasst und verehrt. Von Israelis wie Palästinensern.

Ariel Scharon - Ein Nachruf in Bildern
Ariel Scharon ist am 11. Januar verstorben. Der frühere israelische Ministerpräsident war vor acht Jahren nach einem schweren Schlaganfall ins Koma gefallen. Anfang des Jahres hat sich sein Zustand dramatisch verschlechtert, lebenswichtige Organe funktionierten nicht mehr richtig.Weitere Bilder anzeigen
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02.01.2014 16:00Ariel Scharon ist am 11. Januar verstorben. Der frühere israelische Ministerpräsident war vor acht Jahren nach einem schweren...

Er tat sich durch Mut und Cleverness hervor

Eigentlich hatte Scharon, als Sohn weißrussischer Juden am 26. Februar 1928 im britischen Mandatsgebiet Palästina geboren, davon geträumt, Bauer zu werden. Doch im Unabhängigkeitskrieg 1948 brauchte das junge Israel vor allem Soldaten. „Arik“, wie ihn seine Freunde nannten, tat sich rasch durch Mut und Cleverness hervor. Und als Vorbild. Eine schwere Verletzung überlebte der junge Mann knapp, indem er blutend durch ein brennendes Feld robbte. Fünf Jahre später verwandelte Scharon die Fallschirmjägertruppe 101 in Israels erste Kommandoeinheit und begründete damit den Ruf der Armee als erfolgreiche, gleichwohl unerbittliche Militärmaschinerie.

Scharons größte Stunde schlug im Jom-Kippur-Krieg 1973: Als viele Israelis sich nach dem Überraschungsangriff durch Ägypten und Syrien am Rand des Untergangs wähnten, ignorierte Scharon kaltschnäuzig einen Rückzugsbefehl seiner Vorgesetzten und griff die Ägypter genau an ihrer Schwachstelle an. Er überquerte den Suez-Kanal und kesselte die feindlichen Armeen ein. Plötzlich standen die Israelis kurz vor Kairo, Ägypten flehte um einen Waffenstillstand – und Scharon wurde zur lebenden Legende.

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