Zum Tod von George McGovern : Lebenslang liberal

Als demokratischer Kandidat trat er einst gegen Richard Nixon an. Nun ist der einstige liberale US-Politiker George McGovern im Alter von 90 Jahren gestorben.

Der frühere US-Senator und Präsidentschaftskandidat George McGovern ist tot.
Der frühere US-Senator und Präsidentschaftskandidat George McGovern ist tot.Foto: reu

Der einstige liberale US-Politiker George McGovern ist im Alter von 90 Jahren in einem Hospiz in Sioux Falls in South Dakota gestorben. Bekannt wurde er 1972, als er als demokratischer Präsidentschaftskandidat gegen den Republikaner Richard Nixon antrat – und eine desaströse Niederlage gegen Nixon kassierte, der zwei Jahre später wegen der Watergate-Affäre zurücktreten musste. Zentraler Punkt von McGoverns Wahlplattform war die Forderung nach einem Ende des Vietnamkrieges. McGovern, der im Zweiten Weltkrieg Kampfpilot in Europa war, hatte sich danach zum entschiedenen Kriegsgegner entwickelt. „Ich habe alte Männer satt, die von Kriegen träumen, die junge Männer auskämpfen müssen“, sagte er. Nachdem er seinen Vize-Kandidaten hatte wechseln müssen, geriet sein Wahlkampf zur Katastrophe. Er gewann lediglich Massachusetts und die Stadt Washington.

Bis ins hohe Alter blieb McGovern aktiv als Buchautor, Redner und politischer Aktivist. Er setzte sich weltweit für Menschenrechte und Hungerbekämpfung ein; in der Demokratischen Partei hatte er noch vor seiner Präsidentschaftskampagne die Entmachtung des Parteiapparats zugunsten der regionalen Aktivisten, von Frauen und jungen Leuten durchgesetzt - und damit in der Konsequenz einen Linksruck. Noch im hohen Alter bekannte er sich zu seinen frühen politischen Ideen. „Ich war und bin ein Liberaler“, sagte er 2001. Der spätere Präsident Bill Clinton und die heutige US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton hatten ihren Weg in die Politik als Wahlhelfer McGoverns begonnen. Sie nahmen sich für seine Kampagne eine Auszeit vom Studium an der Universität von Yale. Bill Clinton sagte vor einigen Jahren von ihm, wohl keine Niederlage eines US-Präsidentschaftskandidaten habe einen so dauernden Eindruck hinterlassen: „Senator, das Feuer, das Sie entzündet haben, brennt in zahllosen Herzen weiter.“ dpa/Tsp

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