Zum Tod von Wojciech Jaruzelski : Er war der letzte kommunistische Machthaber in Polen

Wojciech Jaruzelski hat 1981 die Staatsführung in Polen übernommen. Nach jahrelangem Kampf mit der Gewerkschaft Solidarnosc endete seine Amtszeit 1989. Nun ist der General im Alter von 90 Jahren gestorben.

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Im Alter von 90 Jahren ist der ehemalige kommunistische Machthaber Polens, Wojciech Jaruzelski, gestorben.
Im Alter von 90 Jahren ist der ehemalige kommunistische Machthaber Polens, Wojciech Jaruzelski, gestorben.Foto: dpa

Der ehemalige kommunistische Machthaber in Polen Wojciech Jaruzelski ist tot. Das meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf den ehemaligen polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski. Jaruzelski wäre am 6. Juli 91 Jahre alt geworden.

Zu seinem 90. Geburtstag hat Jaruzelski einen Einblick in sein Leben nach der Macht gegeben. Ein peinlich genaues Tagesprogramm, kein Schluck Alkohol und morgens immer ein Brötchen mit Orangenmarmelade. So verbrachte Wojciech Jaruzelski laut Auskünften Eingeweihter seinen Lebensabend in einer Warschauer Villa. Seit der General mit der schwarzen Sonnenbrille an Schilddrüsenkrebs erkrankt war, mied er Zusammenkünfte in der Stadt. Zu seinem 90. Geburtstag aber machte er dann doch eine Ausnahme. Der postkommunistische Ex-Präsident Aleksander Kwasniewski hatte ihm zu Ehren in einem Luxushotel gegenüber der einst sowjetischen und heute russischen Botschaft eine Feier organisiert.

Ein befreundeter Professor hatte gar ein Buch zu diesem Anlass geschrieben.

Seine Version des "geringeren Übels"

Wieder einmal ging es darin um Jaruzelskis Verdienste für Polen bei der Ausrufung des Kriegsrechtes 1981. Damit wollte der General eine angeblich geplante sowjetische Invasion abgewehrt haben. Dass sich diese These auch in den Moskauer KGB-Archive nicht bestätigen ließ, störte den Jubilar wenig. Denn die meisten Polen glaubten inzwischen an seine Version des „geringeren Übels“.

Zuerst rehabilitierte ihn Lech Walesa und kurz vor seinem Flugzeugabsturz in Smolensk gar Lech Kaczynski. Letzterer wollte vor drei Jahren mit Jaruzelski nach Informationen des Nachrichtenmagazin „Wprost“ gemeinsam zu den Moskauer Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs reisen. Dabei hatten ausgerechnet die größten Feinde der Kaczynski-Zwillinge den Ende 1990 als Übergangsstaatspräsident abgewählten General wieder aus der politischen Mottenkiste gezerrt. Walesa habe ihn im August 1991 nach dem Janajew-Putsch aufgeregt angerufen und um Vermittlung in Moskau gebeten, behaupten bis heute Jaruzelskis Freunde. Walesa dementiert, doch verstand er sich in den letzten Jahren immer besser mit seinem alten Widersacher Jaruzelski. 1993 zog auch Adam Michnik nach und führte die einstige Hassfigur der Dissidenten in die Warschauer Intellektuellenzirkel ein.

"Ich war kein Karrierist"

Jaruzelski, der Offizierssohn aus reicher Adelsfamilie, wuchs teils in Sibirien auf, wohin seine Eltern nach 1939 von den Sowjets verschleppt worden waren. In einem persönlichen Gespräch erzählte er einmal, weshalb ihn die Parolen Stalins dennoch begeistert hätten. Es ging Jaruzelski demnach um soziale Gerechtigkeit und andere hehre kommunistische Ideale. „Ich war kein Karrierist“, sagte er. „Ich würde heute viel besser leben, hätte ein großes Landgut und vor allem meine Ruhe.“

In Jaruzelskis Amtszeit, die 1981 begann, fiel der jahrelange Konflikt mit der Gewerkschaft Solidarnosc, den der General mit der Ausrufung des Kriegsrechts kurz nach seinem Amtsantritt in den Griff zu bekommen versuchte. 1989 endete Jaruzelskis Zeit an der Macht.

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