Politik : Zur Feier des Tyrannen

Harald Maass

Peking - Die Offiziere der Volksarmee speisten Fasan und Hirschgerichte, das normale Volk immerhin erhöhte Lebensmittelrationen. Mit staatlich organisierten Jubelfeiern beging Nordkorea am Mittwoch den 63. Geburtstag des „Geliebten Führers“ Kim Jong Il. Das Ausland rätselt weiter über die Atompläne des Diktators. Um den „verheißungsvollsten Feiertag der Nation“ zu feiern, so die Staatsmedien, waren bereits am frühen Morgen in der Hauptstadt Pjöngjang Schulklassen und Fabrikbelegschaften zu Jubelveranstaltungen aufgebrochen.

Kein Land hat den Personenkult um den Führer so weit getrieben wie das bettelarme Nordkorea. Der verstorbene Staatsgründer Kim Il Sung ließ sich schon vom unterjochten Volk wie ein Gott huldigen. Alle Bürger mussten sein Konterfei als Plakette auf der Brust tragen – die Tradition wird bis heute fortgesetzt. Nach seinem Tod 1994 lässt sich sein Sohn Kim Jong ähnlich preisen. „Die Geburt von Kim Jong Il war ein großes Glück für Korea“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA aus den offiziellen Lobesreden.

Auch wenn sich Kim zu seinem Geburtstag gewöhnlich nicht öffentlich zeigt, sind die landesweiten Feiern ein wichtiger Machtbeweis für ihn und sein Regime. Obwohl seit Mitte der Neunziger hunderttausende Nordkoreaner verhungert sind und die Lebensmittelversorgung knapp ist, hat er das Land mit etwa 22 Millionen Menschen fest im Griff. Umso größer ist die Besorgnis im Ausland. Nachdem Pjöngjang vergangene Woche zum ersten Mal öffentlich den Besitz von Atombomben bekannt gegeben hat, herrscht in den benachbarten Ländern Krisenstimmung. China, die wichtigste Schutzmacht der Nordkoreaner, will am Wochenende einen Sondergesandten nach Pjöngjang schicken, um das Regime zur Rückkehr an den Verhandlungstisch zu bewegen. Und Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun rief am Mittwoch erstmals zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

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