Politik : Zur Fußball-WM macht Deutschland die Grenzen dicht

Robert Ide

Berlin - „Absolute Sicherheit gibt es nicht“, sagt Bundesinnenminister Otto Schily (SPD). Dennoch: Für die Fußball- WM 2006 plant sein Ministerium gemeinsam mit den WM-Organisatoren außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen. Nach den Terroranschlägen von London wird das Sicherheitskonzept für das Turnier von Experten neu diskutiert.

Immer wahrscheinlicher wird, dass Deutschland im kommenden Sommer seine Grenzen abschottet. Im Innenministerium wird eine Aussetzung des Schengener Abkommens, das den freien Reiseverkehr garantiert, erwogen. Auf Flughäfen und Bahnstrecken wird es Sonderkontrollen geben, vor allem durch den Bundesgrenzschutz. Ob die Bundeswehr dabei helfen darf, ist umstritten.

Auf alle Fälle entsteht in Berlin ein Nationales Sicherheitszentrum. Es soll alle Informationen von Polizei und Ordnungsdiensten sammeln. Auch Bilder der Überwachungskameras in den Stadien und vor den Großbildleinwänden laufen hier ein. Sie sollen sowohl vor Terror als auch vor Randale schützen. Ob die Kameras testweise biometrische Merkmale von Menschen speichern dürfen, ist unklar. Vor allem die Grünen wehren sich gegen ein „sicherheitspolitisches Versuchsfeld“.

Die Stadien werden zusätzlich gesichert. Um jede Arena werden zwei Sicherheitsringe gezogen, der Luftraum ist gesperrt. Auf den Eintrittskarten sind persönliche Daten der Käufer gespeichert, Ausweiskontrollen sind geplant. In jedem WM-Stadion finden bereits Katastrophenübungen statt. Hooligans sollen von mobilen Einsatzteams begleitet werden, unterstützt von szenekundigen Beamten aus dem Ausland. In der Gewalttäter-Datei der deutschen Fahnder sind bereits 7100 Anhänger registriert. Bis zur WM rechnen Sicherheitsexperten mit Stadionverboten für 10000 Fans.

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