Politik : ZUR PERSON

Oft genug hat

John Hutton den Briten mit sanfter Stimme gesagt, was sie nicht hören wollten. Geschadet hat das seiner Karriere nicht. Als Staatssekretär für Renten erklärte er ihnen, dass sie ihre Lebensarbeitszeit verlängern müssen. Parteigenossen ärgerte der Sohn einer Alleinerziehenden, als er stabile Familien mit zwei Eltern als am besten für Kinder bezeichnete. Als Industrieminister erklärte er, „das Zeitalter billiger Energie ist vorbei“ und leitete die „Renaissance der britischen Atomkraft“ ein. Und als Verteidigungsminister erschreckte er Euroskeptiker mit der Schlagzeile: „John Hutton unterstützt europäische Armee.“ Unaufdringlicher Pragmatismus prägte Huttons Karriere von Anfang an. Als Student in Oxford schloss er sich nicht nur den Labourstudenten, sondern auch den Tories und den Liberaldemokraten an. Mancher seiner Parteifreunde glaubt heute noch, dass er, wie sein Vorbild Tony Blair, in der falschen Partei ist. Sein erster Job nach der Uni war Busfahrer. Ein Jahr lang fuhr er Doppeldecker von seinem Heimatort Southend nach London und zurück. 1992 zog er als Labour-Abgeordneter ins Unterhaus ein. Im Frühjahr galt der stille John Hutton sogar einigen in der Partei als der Mann, der den Dolch gegen Gordon Brown zücken könnte. Als er bei der Kabinettsumbildung im September das Industrie- und Handelsministerium für den aus Brüssel zurückkehrenden Peter Mandelson räumen musste, machte Brown ihn zum

Verteidigungsminister. Das Amt scheint dem 53-Jährigen auf den Leib geschneidert. Nicht nur weil die Spannungen in der überdehnten Armee ein Höchstmaß an politischem Gespür und Durchsetzungsvermögen brauchen. Hutton hat auch historischen Durchblick. Sein Hobby ist die Militärgeschichte. Im Frühjahr erschien seine Geschichte der Freiwilligenregimenter, die aus seinem Wahlkreis in Lancashire in den Ersten Weltkrieg zogen. Matthias Thibaut

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