Politik : ZUR PERSON

Mit der Bundeswehr hat Horst Köhler in seinem politischen Leben nicht viel zu tun gehabt, auch wenn der heutige Bundespräsident als Zeitsoldat bei den Panzergrenadieren gedient hat und Leutnant der Reserve ist. Gleichwohl hat Köhler die bislang prägnanteste Formel für das Verhältnis von Armee und Bundesbürgern gefunden. Das „freundliche Desinteresse“ hat es regelrecht zum geflügelten Wort gebracht, seit Köhler es 2005 zum ersten Mal beklagte. Er selbst dürfte das nur bedingt als Erfolg werten. Schon damals war es schließlich sein Anliegen, diese Haltung zu ändern, mindestens in ein „freundliches Interesse“. Doch die Möglichkeiten selbst des ersten Mannes im Staate, solche historisch gewachsenen Mentalitäten zu verändern, sind begrenzt. Es kennzeichnet aber Köhler, dass er sich nie nur auf das Wort, die Rede beschränkt hat. Wie kein Bundespräsident vor ihm hat er die Spielräume genutzt, die ihm als letzten Verfassungs-Notar jedes Gesetzes zustehen. Dass er das Luftsicherheitsgesetz mit seiner Abschusserlaubnis für entführte Zivilflugzeuge zwar unterzeichnete, aber den Parteien einen Gang zum Verfassungsgericht anriet, ist ein Beispiel. Die Karlsruher Richter gaben ihm am Ende recht: Dass der Staat das Leben Unschuldiger niemals gegen das Leben anderer Unschuldiger aufrechnen dürfe, war Kerngedanke ihres Urteils.

Präzise, ja penibel zu sein zählte immer schon zu Köhlers herausragenden Eigenschaften. Der Doktor der Ökonomie – er promovierte über das hochaktuelle Thema „Freisetzung von Arbeit durch technischen Fortschritt“ – hat sie in all seinen beruflichen Stationen gut brauchen können. Als Theo Waigels Finanzstaatssekretär in der Wende-Zeit hat er die Wirtschafts- und Währungsunion mit verhandelt. Spätere internationale Berufungen, zuletzt an die Spitze des Weltwährungsfonds (IWF) in Washington, zeigten die Wertschätzung, der er sich als Fachmann erfreute. bib

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