Politik : ZUR PERSON

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Er ist der dienstälteste unter Deutschlands Landesinnenministern, aber nicht nur wegen der inzwischen 13 Jahre an der Spitze der bayerischen Innenbehörde auch der einzige, dem man bundesweite Prominenz bescheinigen kann. Günther Beckstein gilt seinen nicht wenigen Anhängern als so ungefähr der Einzige, der es kriminellem und sonstigem Gesindel mal zeigt, und seinen ebenso zahlreichen Gegnern schlicht als der „schwarze Sheriff“. Das Bild ist besonders gern und oft bemüht worden, als der „rote Sheriff“ Otto Schily in Berlin sich noch einen gelegentlich augenzwinkernden Wettstreit mit dem Freund im Geiste lieferte, wer von beiden der härtere Hund der inneren Sicherheit war. Dass der Schwarze nicht Nachfolger des Roten wurde, scheiterte am Wähler – aber, so darf man vermuten, eher nicht Becksteins wegen.

Die Prominenz, Folge auch des speziellen bundespolitischen Anspruchs seiner CSU, kontrastiert nur scheinbar mit Becksteins dezidierter Bodenständigkeit. In Hersbruck im Nürnberger Land geboren, ist der Franke bis heute tief in seiner Heimat verwurzelt. Den Leuten dort aufs Maul zu schauen, ihre Ängste und Bedürfnisse nach Sicherheit politisch aufzugreifen, hat er nie als Vorwurf verstanden, sondern als ausdrückliche Aufgabe. Dabei nicht jeder Forderung vom Stammtisch nachzugeben, allerdings auch.

Mit dem CSU-Bezirksverband Nürnberg-Fürth-Erlangen im Rücken verhalf er 1993 Edmund Stoiber zum Amt des bayerischen Ministerpräsidenten. Der revanchierte sich mit dem Innenminister- posten. Beckstein machte sich rasch einen Ruf als Mann der klaren Worte und entschlossenen Taten. Gern erzählen sie in Bayern vom frustrierten Abzug der bundesweiten Punkszene, die 2002 in München „Chaostage“ angekündigt hatte, aber schon an den Stadtgrenzen auf ein Polizei-Großaufgebot traf. Wer Beckstein etwas näher kennt, entdeckt bald, dass der Vizeministerpräsident – der, wäre Stoiber nach Berlin gegangen, höchstwahrscheinlich dessen Nachfolge angetreten hätte – hinter seinem Ruf einen nachdenklichen Kern verbirgt. Der Doktor der Rechte ist seit langem Mitglied der evangelischen Synode. Zugleich hält er engen Kontakt zu den türkisch-muslimischen Gemeinden. Ach ja: Verschmitzt kann er auch sein. Witzig obendrein. bib

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