Politik : ZUR PERSON

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Einige Spaziergänger sahen ihn am Samstagnachmittag noch mit MP3-Gerät und Kopfhörer beim Jogging im Pariser Bois de Boulogne. Am Sonntagabend wohnten Millionen Franzosen als Fernsehzuschauer der Ankunft des Dauerläufers am Ziel bei: Nicolas Sarkozy hat den Marathon zum Elysée-Palast gewonnen. Nicht nur morgens beim Rasieren, so hatte er einmal bekannt, habe er an dieses Ziel gedacht. Und das wahrscheinlich schon seit langem. „Als ich ein junger Aktivist war, wollte ich aus dem Hintergrund des Saales in die erste Reihe “, beschrieb er kürzlich die Ambition seines Lebens. „Als ich in der ersten Reihe war, wollte ich dazugehören. Als ich dazugehörte, wollte ich aufs Podium. Auf dem Podium wollte ich mehr, weiter.“ Zielstrebig , hartnäckig , oft rücksichtslos und stets unter Hochdruck hat der 52-jährige Rechtsanwalt, der freilich nie einen anderen Beruf als den des Politikers ausübte, seinen Weg zurückgelegt, bekämpft von seinen Gegnern, die ihn als gefährlich verteufelten, belächelt von seinen Konkurrenten, die er kalt beiseite räumte, und bewundert von seinen Anhängern, denen „Speedy-Sarko“ den Atem raubte. Mit 28 Jahren eroberte er im Handstreich das Rathaus des Pariser Vororts Neuilly. Er wurde Abgeordneter, Minister und gegen den Willen von Präsident Jacques Chirac Chef der Regierungspartei UMP. Im Wahlkampf provozierte er immer wieder mit markigen Sprüchen, jagte dem Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen mit nationalem Getöse Stimmen ab und übte sich zum Schluss mit versöhnlichen Worten vom „brüderlichen Frankreich“ und der nach Art amerikanischer Präsidenten aufs Herz gelegten Hand in der Rolle des künftigen Vaters der Nation. Der wolle er nun alles zurückgeben, was sie ihm gegeben habe. Das hat der Sohn eines 1948 nach Frankreich geflüchteten ungarischen Adligen – Familienwappen: ein auf den Hinterbeinen aufgerichteter Wolf mit Schwert – den Franzosen versprochen. hhb

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