Politik : "Zur Weltmacht verdammt": Voller Doktrinen

Jürgen Scheunemann

Christian Hackes Standardwerk über die Außenpolitik der USA ist nach wie vor das beste deutschsprachige Buch zu diesem Thema - weil es so befreiend amerikanisch und positivistisch daherkommt. Auch in der Neuauflage kombiniert der Politikwissenschaftler stilistisch und inhaltlich souverän US-Geschichte mit aktueller Außenpolitik.

Neu geschrieben sind 75 Seiten über die Außenpolitik der Ära Clinton, 34 Seiten über die Regierung George W. Bush sowie allgemeine Betrachtungen zur außenpolitischen Zukunft der USA. Zwar werden Hackes Betrachtungen über Bushs vermeintliche Leitlinie "America first" ihren spekulativen Charakter vielleicht nie verlieren, sind aber in der konzentrierten Darstellung lesenswert. Und fordern zum Widerspruch heraus: Es ist fraglich, ob sich der von Hacke (und den Europäern generell) befürchtete neue Unilateralismus der USA in der freien Wildbahn in globalen "Balance-of-Power-Spielen" durchsetzt. Diese Interpretation sagt mehr über die Ängste der Europäer als über die Euphorien der Amerikaner aus.

Der neue Abschnitt über Clinton fasziniert dabei weniger; aufschlussreicher sind Hackes Betrachtungen zu den Grundlinien in den US-Außenbeziehungen seit 1961. Hier konstatiert er für alle US-Präsidenten ein Primat der Außenpolitik und stellt Clintons Außenpolitik nach Truman als zweiten zentralen Paradigmenwechsel vor, nämlich als Ökonomisierung von Außenpolitik - eine gewagte, da frühe These, gleichwohl einleuchtend. Pflichtlektüre für europäische Studenten ist dieses Kapitel allemal, weil es klar macht, dass Doktrinen in den amerikanischen Außenbeziehungen bis heute eine entscheidende Rolle spielen.

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