ZUR PERSON : Die Stellvertreterin

Zum Symbol ihres politischen Einflusses wurde jener Schnappschuss, der Annette Schavan Mitte März dieses Jahres neben der Bundeskanzlerin zeigte, wie sie beide auf ein Handy blicken, das ihnen wohl gerade die Nachricht vom Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg überbrachte. Und zwar nur einen Tag, nachdem Schavan über dessen Verhalten in der Plagiatsaffäre gesagt hatte, sie schäme sich nicht nur heimlich. Ob Angela Merkel sie seinerzeit darum gebeten hatte, dem Verteidungsminister einen Stoß zu versetzen? Schavan schweigt darüber, so wie sie über die Nähe zur Kanzlerin hartnäckig schweigt. Gleichwohl gilt sie als engste Vertraute, als Einflüsterin, der Regierungschefin und CDU-Vorsitzenden.

Seit mehr als zehn Jahren steht Annette Schavan als Vizevorsitzende an der Spitze ihrer Partei. Als in ihrem Heimatland Baden-Württemberg, wo sie lange Jahre Kultusministerin war, 2004 das Amt des Regierungschefs und des CDU-Landesvorsitzenden durch den Abgang Erwin Teufels frei wurde, kämpfte Schavan um die beide Ämter gegen den Rivalen Günther Oettinger. Ein von ihr initiierter Mitgliederentscheid brachte jedoch nur gut 39 Prozent Zustimmung.

Seit 2005 ist Annette Schavan Bildungsministerin in Berlin. Obwohl sie in Fachkreisen als profunde Kennerin des Fachs und kenntnisreiche Politikerin geschätzt wird, ist es ihr in all den Jahren kaum geglückt, das Thema Bildung, das Angela Merkel mit ihrem Anspruch, die „Bildungsrepublik Deutschland“ schaffen zu wollen, zu einem Gewinnerthema für ihre Partei in der breiten Öffentlichkeit zu machen. asi

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