Politik : Zurück auf Los

10.09.2006 00:00 UhrVon Antje Sirleschtov

SPD-Politiker wollen Gesundheitsreform nochmal ganz neu verhandeln – Maas: Große Chance

Berlin - Nach der angekündigten Verschiebung der Gesundheitsreform wächst in der SPD der Wunsch, das Kompromisspaket der großen Koalition vom Frühsommer noch einmal grundsätzlich aufzuschnüren. Neben der SPD-Linken Andrea Nahles und dem Gesundheitsexperten Karl Lauterbach plädieren nun auch die SPD-Landeschefs von Thüringen und dem Saarland für einen Neuanfang und wenden sich damit gegen die Position von SPD-Chef Kurt Beck, der die Eckpunkte der Reform vom Frühsommer nicht infrage stellen will.

Saar-Chef Heiko Maas sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, der Kompromiss, den die Koalitionsspitzen vor der Sommerpause verabschiedet haben, habe „von Anfang an auf allen Seiten große Bedenken ausgelöst“.

Die Verschiebung des Gesetzgebungsprozesses unterstreiche dies nur noch. „Wir haben jetzt die große Chance, aus Stückwerk eine richtige Reform zu machen“, appellierte Maas. Diese Chance sollte genutzt werden: „Das Paket muss grundsätzlich aufgeschnürt werden.“ Maas unterstützt dabei Gegner des Gesundheitsfonds, der „keinen Sinn macht“, und fordert, den Einstieg in eine Steuerfinanzierung des Krankenversicherungssystems klar zu regeln.

Auch Thüringens SPD-Landeschef Christoph Matschie forderte, die Steuerfinanzierung des Gesundheitssystems grundsätzlich zu überdenken. „Mit dem Gesundheitskompromiss können weder Union noch SPD leben“, sagte er. Es sei daher „höchste Zeit, ernsthaft über eine stärkere Steuerfinanzierung zu reden“. Seit Jahren würde darüber diskutiert, insbesondere die Union habe sich zu diesem Weg bekannt. „Nun erwarte ich von der Union auch, dass sie sich ehrlich macht“, sagte Matschie. Wer die Lohnnebenkosten, also den Krankenversicherungsbeitrag, senken wolle und im Gegenzug die Steuerfinanzierung ausweiten, der müsse auch sagen, wie das zu finanzieren sei. „Vor einer Antwort auf diese Frage duckt sich die Union bis jetzt weg.“

Die Union warf unterdessen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erneut vor, sich bei der Ausarbeitung der Reform nicht an die in der Koalition vereinbarten Eckpunkte zu halten. Auch der zweite Arbeitsentwurf aus dem Hause der Ministerin sei von den Eckpunkten nicht „gedeckt“, zitierte das Magazin „Focus“ aus einer vertraulichen Vorlage des bayerischen Sozialministeriums für Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Ohne „deutliche Änderungen“ könne Bayern dem Gesetzentwurf nicht zustimmen. Dies sei auch der Grund, warum Stoiber in der Sitzung der Koalitionsexperten am Mittwoch auf die Verschiebung der Reform gedrängt habe.

Wie „Die Welt“ unter Berufung auf Kassenkreise berichtete, ermittelte ein Expertenkreis der gesetzlichen Krankenkassen und des Bundesversicherungsamts einen höheren Finanzbedarf für 2007 von voraussichtlich 0,74 Beitrags-Prozentpunkten. Die Bundesregierung rechnet dagegen damit, dass die Beiträge um 0,5 Prozentpunkte steigen. Derzeit zahlen Beschäftigte im Durchschnitt 14,2 Prozent ihres Bruttolohns an ihre Krankenkasse. Grund für die Entwicklung seien die Kürzung des Bundeszuschusses an die Kassen und die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Das Gesundheitsministerium wies die Schätzungen am Samstag zurück.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite