Zurück aus dem Exil : Pakistans Ex-Premier Musharraf kehrt heim

Nach fast vier Jahren im Exil ist Pakistans Ex-Präsident Pervez Musharraf trotz einer Morddrohung der Taliban in seine Heimat zurückgekehrt. Der Ex-General will bei der Parlamentswahl am 11. Mai antreten.

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Salut an die Freunde. Es sind nicht viele. Pervez Musharraf am Sonntag. Foto: AFP
Salut an die Freunde. Es sind nicht viele. Pervez Musharraf am Sonntag. Foto: AFPFoto: AFP

Neu-Delhi - „Ich habe keine Angst“, versichert er, bevor er ins Flugzeug steigt. Doch ganz entspannt wirkt Pervez Musharraf nicht, als er am Sonntag um 12.45 Uhr in der Hafenmetropole Karatschi landet. Nach rund vier Jahren Exil will Pakistans Ex-Militärherrscher bei der Wahl im Mai ein Comeback zu versuchen.

Er riskiert viel dabei. Nicht nur eine politische Blamage, sondern auch sein Leben. Die Taliban wollen ihn töten. Man werde den 69-Jährigen „in die Hölle schicken“, tönen sie in einem Video hasserfüllt. Aus Angst vor Anschlägen verboten die Behörden eine geplante Kundgebung von Musharrafs Partei APML.

Die Vorsicht ist begründet. Als im Oktober 2007 Hunderttausende in Karatschi der zurückgekehrten Benazir Bhutto zujubelten, kam es zu einem Anschlag, bei dem 136 Menschen starben. Bhutto selbst wurde rund zwei Monate später ermordet. Hunderttausende Anhänger hätte Musharraf ohnehin kaum auf die Straße gelockt. Gegen Musharraf sind in Pakistan mehrere Klagen anhängig, deshalb blieb er vier Jahre in London und Dubai. Ein Gericht hat nun die Haftbefehle gegen Kaution vorerst ausgesetzt.

Pakistan steht vor historischen Wahlen: Am 11. Mai soll es erstmals in seiner Geschichte einen demokratischen Machtwechsel geben, ohne dass das Militär vorher intervenierte. Nach tagelangem Streit ernannte die Wahlkommission am Sonntag den 84-jährigen Ex-Richter Mir Hazar Khan Khoso auf Vorschlag der Regierung zum Übergangspremier.

Die meisten Analysten geben Musharraf wenig Chancen. Seine Wählerbasis sei erodiert, er werde nur wenige Sitze erringen, hieß es. Seine Partei braucht zudem offenbar so dringend Geld, dass sie Sitzplätze im Flieger, ein Abendessen mit Musharraf oder ein Händeschütteln an treue Fans verkaufte. Viele wundern sich daher. „Ich weiß nicht, warum er dieses Risiko eingeht, wenn er keine große Zukunft in Pakistan hat“, meinte der bekannte Analyst Talat Masood.

Doch Musharraf war schon immer besessen von der Idee, dass nur er Pakistan retten kann. Als er 1999 den damaligen Regierungschef Nawaz Sharif unblutig aus dem Amt putschte, tanzten die Menschen auf den Straßen. Doch 2008, neun Jahre später, hatten die Menschen die Nase voll, 2008 gewann Bhuttos PPP.

Musharrafs Bilanz ist gemischt: Er versuchte, das Land zu modernisieren, warb für einen moderaten Islam, trat gegen Extremismus ein und stellte sich im „Anti-Terror-Krieg“ auf die Seite des Westens, was ihm viele Religiöse verübelten. Kritiker werfen ihm jedoch auch schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Tausende Kritiker vor allem im unruhigen Belutschistan seien in seiner Zeit spurlos verschwunden.

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