Politik : Zurück in den Hörsaal

-

Berlin Für ein paar Wochen war der Mann Feindbild und Retter in Personalunion. Allein steht Paul Kirchhof jetzt hinter dem Rednerpult auf der Bühne der Berliner Philharmonie. Die Jahrestagung des Bundesverbandes deutscher Pressesprecher ist am Donnerstagabend das Forum für Kirchhof, nach einem Wahlkampf mit einem auch für ihn nicht siegreichen Ende Abschied von einer kurzen Epoche öffentlichen Lebens zu nehmen.

Vielleicht liegt es an der Aura des Saales, in dem begnadete Musiker Triumphe feierten und zu Weltruhm kamen, dass dieser Abschied eine nicht alltägliche Note erhält. Kirchhofs Ruhm als Mitglied des Wahlkampfteams der Union dagegen ist vergänglich. Für SPD und Grüne war er bis zum 18. September ein rotes Tuch, für CDU, CSU und FDP ein finanzpolitischer Visionär, der im Siegesfall Finanzminister hätte werden sollen. Dieses Ansinnen des von Bundeskanzler Gerhard Schröder eher verächtlich als „der Professor aus Heidelberg“ titulierten Staatsrechtlers blieb ein Traum.

Die Ursachen und das Wechselspiel zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung breitet der Wissenschaftler bei seinem nachdenklichen Abschied vor dem Publikum aus. Keine Medienschelte und kein negatives Wort über die Kandidatin Angela Merkel oder über Schröder. Den Unionsoberen war vorgeworfen worden, sie hätten den in politischem Ränkespiel unerfahrenen Professor im Regen stehen lassen, als seine 25-Prozent-Steuer-Vision die Diskussionen dominierte und nicht das Parteiprogramm von CDU und CSU.

Dass ihn der eine oder andere Kommentar doch tiefer getroffen haben muss, als er zugeben will, umschreibt er mit „der Macht des Wortes, die Politik zerstören und Menschen vernichten kann“. Erstaunt hat den Mann der Daten und Fakten, dass Äußerlichkeiten wichtiger als die eigentliche Botschaft seien. Kirchhof hat der Politik Adieu gesagt, zwischen deren Räder er in den letzten Wochen gekommen war. Den Grund lieferte er gleich mit: Aus einem wissenschaftlichen Elfenbeinturm heraus und mit dem Anspruch auf Emotionen ist nach Berliner Regeln nur schwer Erfolg zu erzielen. dpa

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar