Politik : Zurückgeblieben

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wenn man sich ehrgeizige Ziele setzt, bleibt es oft nicht aus, dass einige aus dem eigenen Laden auf der Strecke bleiben. Das kann man nicht nur in der aktuellen Reformdebatte beobachten, wo Teile der Sozialdemokratie dem Reformtempo des Kanzlers nicht mehr folgen können oder wollen.

Das gleiche Phänomen ließ sich am Mittwoch auch auf der Kanzlerreise nach New York zu den Vereinten Nationen beobachten. Schröder war an diesem Tag schon sehr früh aufgestanden, um sich schön zu machen für die Audienz, pardon, das Gespräch mit seinem neuen Ex-Freund George W. Bush. Dann hatte er sich mit seinen Dauerkumpels Chirac und Putin getroffen und schließlich als zweiter Kanzler nach Willy Brandt eine Rede vor der UN-Vollversammlung gehalten. Kein Wunder, dass Schröder nach diesem Programm ein rasches Ende seiner Dienstreise herbeisehnte, sprich: den Heimflug mit dem Luftwaffen-Airbus nach Berlin. So hielt die Wagenkolonne der Kanzlerdelegation nur kurz vor der deutschen UN-Vertretung in Manhattan, gerade lang genug, um Schröder und seine Mitarbeiter aus dem Kanzleramt einsteigen zu lassen. Nur ein Dolmetscher hatte es nicht geschafft, rasch genug in einen der 7er BMWs zu springen, als sich die Auto-Kolonne, angeführt von der New Yorker Polizei, in Bewegung setzte. Auch seine verzweifelten Bemühungen, einen der hinteren Delegationswagen noch anzuhalten, scheiterten. Um geschlossen durch die New Yorker Rushhour zu düsen, waren die Fahrer angewiesen, keine Lücke im Auto-Korso entstehen zu lassen. Der Kanzlertross landete am Donnerstagmorgen pünktlich wieder in Berlin. Der Dolmetscher blieb allein in New York.

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