Politik : Zusammenarbeit: mangelhaft

Ruth Ciesinger

Wenn in Europa eine Tierseuche ausbricht, greift in Brüssel ein strukturierter Handlungsmechanismus. Bei Seuchen, die den Menschen befallen, nicht. Weil aber neben MKS auch der Bioterrorismus zur realen Bedrohung geworden ist, haben am Donnerstag die EU-Gesundheitsminister beschlossen, ein Expertennetz für den Informationsaustausch bei Anschlägen mit Viren ins Leben zu rufen. Zudem soll die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten beim Gesundheitsschutz besser koordiniert werden. Nach Plänen von David Byrne, EU-Kommissar für Gesundheit, könnte es in Zukunft sogar einen Koordinator für Seuchenfragen geben.

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Hintergrund: Seuchenexperten
Web-Link: Robert-Koch-Institut Bisher ist in diesem Bereich das eher überschaubare "Europäische Netz für die Überwachung übertragbarer Krankheiten" aktiv. Für acht Infektions-Krankheiten existieren in verschiedenen Ländern der Union Netzwerke, die bei einem Ausbruch benachrichtigt werden - zu den offiziellen Bürozeiten. Dieses Frühwarnsystem soll künftig rund um die Uhr aktiv sein und eng mit der Koordinationsstelle für Zivilschutz zusammenarbeiten. Zudem wollen die Gesundheitsminister das Wissen über Labore und vorhandene Impfstoffe bei einer zentralen Informationsstelle bündeln. Mittelfristig könnten diese Überlegungen zu einer neuen Behörde führen, bei der alle Informationen zusammenlaufen und die Richtlinien zum weiteren Vorgehen entwirft, worüber Byrne laut nachgedacht hatte - eine Art "European Centre for Disease and Emergency Preparedness". Zunächst aber wird eine Expertengruppe aus den Staaten bei der Kommission etabliert, die das weitere Vorgehen berät.

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