Politik : "Zuwanderer bringen mehr, als sie kosten"

Heinz Siebold

Die Kontroverse über die Zuwanderung ist noch lange nicht beendet, auch wenn das Gesetz nun im Bundestag beraten wird. Immer wieder kreist die Debatte um die Fragen: Was kostet, was bringt uns Zuwanderung? Können die Zuwanderer die sozialen Sicherungssysteme retten?

Eine solche "rein demographische" Herangehensweise findet der Freiburger Wirtschaftswissenschaftler Professor Bernd Raffelhüschen falsch. Er hat errechnet, welche Effekte durch "ungesteuerte" Zuwanderung, wie sie bisher stattgefunden hat, eintraten und untersucht, wie sich "gesteuerte" Einwanderung auswirken würde. "Die meisten Einwanderer sind", so Raffelhüschen, "zwischen 20 und 35 Jahre alt und fertig ausgebildet. Sie sind potenziell direkt in den Arbeitsmarkt integrierbar und können dadurch auch sofort zu Steuer- und Beitragszahlern werden." Der rein demographische Ansatz sei falsch, "weil die Menschen, die einwandern, nicht gleichzusetzen sind mit denen, die schon da sind. Man muss die ganzen Geldströme berücksichtigen, die durch Zahlung von Steuern und Inanspruchnahme von Leistungen entstehen."

Seit der Greencard-Initiative ist allgemein anerkannt, dass zur Bekämpfung des Fachkräftemangels und zur Gesundung der Sozialkassen auch Einwanderer beitragen können. Die Untersuchung der bisherigen Zuwanderungszahlen hat bei Raffelhüschens Rechnung erbracht, dass ein durchschnittlicher Zuwanderer im Schnitt 100 000 Mark mehr in die staatlichen Budgets speist als er kostet. Diesen Effekt könnte man durch gesteuerte Zuwanderung noch enorm steigern."Wenn die Struktur der Zuwanderung verbessert wird", glaubt Raffelhüschen, "erhöht sich der Betrag, den sie in die staatlichen Kassen spült. Zuwanderer bringen mehr, als sie kosten." Auch wenn sie in der Regel weniger verdienen als Deutsche und daher auch weniger Beiträge zahlen.

Welche Gruppen bringen den günstigsten Saldo? Das sind erstens die Qualifizierten, zweitens die Jungen und drittens die im Fachjargon so genannten "fertilen" Jahrgänge, also junge Einwanderer, die Familien gründen werden. Ungünstig für die Bilanz sind ältere Zuwanderer und Familiennachzügler. Gerechnet wird nach der einfachen Formel: Steuern minus Transfers. Die Summen werden über ein gesamtes Leben gebildet. Abzüglich der Transfers und Anteile am Gemeinschaftskonsum (Infrastruktur) bleibt bei einem 30-jährigen Zuwanderer ein positives Ergebis von 200 000 Mark. Der Saldo ist positiv für alle, die im Alter zwischen 13 und 47 einwandern. Im Durchschnitt bleibt ein Netto von 100 000 Mark für alle staatlichen Kassen einschließlich der Sozialversicherungssysteme übrig.

Letzlich folgt der Gesetzentwurf des Innenministers dieser Logik. Die Einwanderung soll danach nicht schematisch wie in den USA; mit einer Quotierung nach Nationen und Berufen, sondern über ein Punktesystem gesteuert werden. Dabei spielen Qualifizierung, Alter und Geschlecht die Hauptrolle. Geregelte Einwanderung ist sozusagen ein Geschäft: "Menschen wollen ihre ökonomische Situation verbessern. Das tun wir auch ständig. Es ist legitim, dann auch davon zu profitieren. Beide Seiten gewinnen", meint Ökonom Raffelhüschen. So ist es jedenfalls in den klassischen Einwanderungsländern.

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