Politik : Zwangsarbeiter-Entschädigung: Kampagne soll Milliardenlücke schließen

Claudia Von Salzen

Mit einer neuen Anzeigenkampagne will die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft die bisher nicht beigetretenen Unternehmen aufrufen, einen Beitrag zur Entschädigung der ehemaligen NS-Zwangsarbeiter zu leisten. "Bis heute sind 4025 Unternehmen beigetreten", sagte der Sprecher der Stiftungsinitiative, Wolfgang G. Gibowski, bei der Vorstellung der Kampagne am Montag in Berlin. "Die größten deutschen Unternehmen sind alle dabei - da fehlt niemand mehr." Insgesamt seien 3,2 Milliarden Mark fest zugesagt. Damit fehlen immer noch 1,8 Milliarden Mark, um den von der deutschen Wirtschaft zugesagten Betrag von fünf Milliarden zu erreichen.

Jede Woche kommen nach Angaben von Gibowski etwa 50 bis 60 Unternehmen hinzu. Es gehe allerdings nur sehr langsam voran, weil kleinere Firmen nur verhältnismäßig geringe Beiträge zahlen können. Die Versicherungsunternehmen seien inzwischen fast komplett der im Februar 1999 gegründeten Stiftungsinitiative beigetreten. "Nach wie vor fehlen aber zahlreiche mittlere und kleinere Firmen", sagte Gibowksi. Außerdem seien viele Unternehmen des öffentlichen Sektors - wie kommunale Firmen, Sparkassen oder die Telekom - noch nicht beigetreten, obwohl auch sie zur deutschen Wirtschaft gerechnet würden. Nach Schätzungen der Stiftungsinitiative könnte der Beitritt dieser Firmen insgesamt über eine Milliarde Mark bringen.

Mit der neuen Kampagne soll den noch fehlenden Unternehmen der Beitritt so einfach wie möglich gemacht werden: Unter der Überschrift "Wir treten bei" ist in der Anzeige, die kostenlos in Zeitungen erscheinen soll, die Beitrittserklärung der Stiftungsinitiative abgedruckt. "Wir haben bewusst auf alles verzichtet, was nach werblichem Effekt aussehen könnte", sagte Sebastian Turner von der Werbeagentur "Scholz & Friends", die die Anzeige entworfen hat. Bewusst verzichtet hat die Stiftungsinitiative auch darauf, zahlungsunwillige Firmen namentlich zu nennen. Stattdessen appelliert Gibowski weiter an die Solidarität der deutschen Unternehmen. Schließlich gehe es um das Ansehen der deutschen Wirtschaft in der Welt. Ein Drittel der Firmen, die sich an der Entschädigung der Zwangsarbeiter beteiligen, wurde auch erst nach 1945 gegründet.

Die Auszahlung des Geldes an die noch lebenden Zwangsarbeiter kann nach Angaben der Stiftungsinitiative voraussichtlich in diesem Jahr nicht mehr beginnen. Nach wie vor ist die Frage der Rechtssicherheit der deutschen Unternehmen nicht geklärt, da in den USA noch Sammelklagen anhängig sind. Mit einer Zurückweisung der Klagen sei nicht vor Ende November zu rechnen, sagte Gibowski. Zur Diskussion um die Besetzung des Stiftungs-Vorstandes kündigte Gibowski an, die Wirtschaft werde ihren Kandidaten am Mittwoch vorstellen. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge ist der Generalbevollmächtigte des Chemiekonzerns Degussa-Hüls, Michael Jansen, im Gespräch.

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