Politik : Zwangsarbeiter-Entschädigung: Lambsdorff: Alle Opfer werden entschädigt

Christian Böhme

Der Kanzlerbeauftragte für die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter, Otto Graf Lambsdorff, sieht derzeit keinen Anlass zur Sorge, dass für einen Teil der Opfer das Geld nicht reichen könnte. Vor kurzem hatte die International Organisation for Migration (IOM) davor gewarnt, dass vermutlich für den "Rest der Welt" nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen werden. Gemeint sind damit die nicht-jüdischen Überlebenden der Zwangsarbeit, die in Staaten leben, in denen es keine eigenen Organisationen für die Auszahlungen gibt. Die IOM kümmert sich um diese Opfergruppe. Bei ihr sind bereits mehr als 220 000 Anträge eingegangen. Die vorgesehenen 540 Millionen Mark würden daher sicherlich nicht reichen.

"Für solche Befürchtungen ist es noch viel zu früh", sagte Lambsdorff dem Tagesspiegel. Man habe von vorneherein damit gerechnet, dass mehr Anträge eingehen könnten als ursprünglich vermutet. Doch müsse es sich erst zeigen, ob alle auch ausreichend begründet seien. Das könne ohnehin erst geklärt werden, wenn alle Anträge eingegangen sind. Der Bundestag werde in diesen Tagen aller Voraussicht nach die Antragsfrist bis Ende des Jahres verlängern. "Diesen Zeitpunkt müssen wir abwarten. Ich bin weiterhin zuversichtlich, dass alle Opfer etwas bekommen. Pro Kopf könnte sich allerdings im ungünstigsten Fall die Summe etwas verringern." Lambsdorff kann sich zudem vorstellen, dass die in den kommenden Monaten anfallenden Zinserträge aus dem Zehn-Milliarden-Fonds für den "Rest der Welt" verwendet werden.

Auch die Bundesstiftung für die Entschädigung der Zwangsarbeiter warnt vor unnötiger Aufregung. "Die Zahl der Berechtigten der IOM - und nur um die geht es - ist mit großen Unsicherheiten verbunden", sagte deren Sprecher Kai Hennig. Dass die Entschädigungssumme nochmals erhöht wird, schließt er aus: Die zehn Milliarden Mark seien "ein abschließender finanzieller Beitrag des Bundes und der Wirtschaft für die NS-Entschädigung".

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