Politik : Zwangsarbeiter-Stiftung: Streit gestiftet

Christian Böhme,Claudia von Salzen

Zloty-Umtausch-Debakel, die Entschädigung von italienischen Militärinternierten und der "Zukunftsfonds" - gleich drei schwere Brocken haben sich die 27 Herren und Damen des Kuratoriums der Zwangsarbeiter-Stiftung als Tagesordnungspunkte vorgenommen. Deshalb hat man für die siebte Sitzung des Gremiums, die Mittwochnachmittag begann, auch zwei Tage vorgesehen. Das liegt nicht nur an der Fülle der Themen, sondern auch an deren Bedeutung.

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen des Streits zwischen Polen und der Bundesstiftung über die Umtauschmodalitäten bei der ersten Tranche der Entschädigung. Es geht um Kursverluste in Millionenhöhe, die bei der Transaktion Mitte Juni entstanden sind. Dadurch erhalten viele polnische Zwangsarbeiter weniger Geld als erwartet. Seit Wochen wird die Schuld dafür hin- und hergeschoben. Vor kurzem erreichte der Streit einen Höhepunkt: Kuratoriumsmitglied Lothar Evers vom Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte erstattete Anzeige gegen unbekannt wegen Betruges und Untreue - für seine Kollegen im Kuratorium kam dieser Schritt überraschend.

Nach Evers Überzeugung ist es während des von den Polen gewünschten Umtausches von D-Mark in Zloty nicht mit rechten Dingen zugegangen. Der Opfervertreter betont, seine Anzeige richte sich keineswegs gegen den Vorstandsvorsitzenden der Bundesstiftung, Michael Jansen, direkt, sondern gegen unbekannt - dabei habe er auch die am Umtausch beteiligten Banken im Auge. Doch die Berliner Staatsanwaltschaft stellte im Gespräch mit dem Tagesspiegel klar, dass Evers in einer Art Anhang der Anzeige doch zwei Namen nennt - Michael Jansen und Jan Dreher, zuständiger Referent für Finanzen.

Betrug und Untreue - der Vorwurf traf Michael Jansen schwer. Er empfand ihn, so ist aus seiner Umgebung zu hören, als schweren und unberechtigten Angriff auf seine Person. Überhaupt fühlt sich das kleine Team der Bundesstiftung zu Unrecht in eine falsche Ecke gedrängt. Klar, das mit den Zloty ist unglücklich gelaufen, räumen Mitarbeiter ein. Aber keinesfalls trage man dafür allein Verantwortung. Wenigstens gab es vor ein paar Tagen wohltuende Unterstützung von der Bundesregierung: Das Finanzministerium konnte keine Unregelmäßigkeiten beim Zloty-Umtausch feststellen.

Auch während der Kuratoriumssitzung am Mittwoch zeichnete sich dem Vernehmen nach eine Mehrheit ab, die dem Vorstand in der Zloty-Affäre den Rücken stärkte. Zu einer Diskussion über den von Evers eingebrachten Tagesordnungspunkt "Einsetzung eines Untersuchungsausschusses" kam es allerdings wegen eines tragischen Zwischenfalls nicht mehr. Karl Brozik, Repräsentant der Claims Conference Deutschland, musste wegen Herzstillstands mit der Feuerwehr ins Krankenhaus gebracht werden. Die Sitzung wurde sofort abgebrochen.

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