Politik : Zwangsarbeiterfonds: Ordnungsgemäße Zwangsarbeit? (Kommentar)

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Die katholische Kirche geht einen Sonderweg und beteiligt sich nicht am Entschädigungsfonds für die NS-Zwangsarbeiter. Stattdessen wird ein eigener Fonds mit zehn Millionen Mark aufgelegt; die Hälfte davon dient der Subventionierung kirchlicher Organisationen wie Pax Christi. Der Vorgang ist ärgerlich. Wirtschaft und Gesellschaft haben sich zu einer Gesamtverantwortung bekannt. Gewiss, das haben sie nicht freiwillig und schon gar nicht souverän getan, zu schweigen von den Raufereien darüber, ob die Zahlungen öffentlicher Unternehmen eher zum Staats- oder zum Wirtschaftsanteil zählen. Aber die Argumentation, mit der die Katholiken sich jetzt davonstehlen, ist ein Dokument der Peinlichkeit. Da philosophiert Bischof Lehmann darüber, die Kirche lehne die Übernahme von Kollektivschuld ab. Was soll ein Wirtschaftsunternehmen davon halten, dessen heutige Aktionäre - ohne jegliche Kontinuität zu den Eigentümern der Nazizeit - in den Fonds einzahlen? Warum erzählen die Bischöfe, von kirchlichen Einrichtungen sei "nicht einmal ein Tausendstel" aller Zwangsarbeiter beschäftigt worden? Soll das heißen: Kaum der Rede wert? Sklavenarbeit habe es bei ihnen auch nicht gegeben, man habe ordungsgemäß entlohnt, fügt die Kirche hinzu. Solch wägendes Wort, mit dem verräterischen Zusatz "ordnungsgemäß", berührt die Grenze der Geschmacklosigkeit. Denn wir wollen nicht darüber nachdenken, ob es sich auf den Feldern des Klosters Andechs angenehmer zwangsarbeiten ließ als in den Munitionsfabriken.

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