Politik : Zwangsarbeiterprozess: Chinas Kriegsopfer verlangen von Japan Entschädigung

Harald Maass

Chinesische Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkrieges zu Zehntausenden in japanischen Firmen arbeiten mussten, verlangen von Tokio Entschädigungen in Milliardenhöhe. Mit Zivilklagen in den USA und Japan wollen sie Japan zu einem Entschädigungsfond nach dem deutschen Vorbild zwingen.

"Es wird Zeit, dass sich Japan zu seinen historischen Vergehen bekennt", sagte der US-Anwalt Barry Fisher am Mittwoch in Peking. Fisher, der maßgeblich an den Zwangsarbeiterprozessen gegen deutsche Firmen beteiligt war, hat im August vor einem US-Gericht Klage gegen die beiden japanischen Großkonzerne Mitsubishi und Mitsui erhoben. Beide Firmen hatten seiner Anklage zufolge während des Krieges Zehntausende Zwangsarbeiter aus China, Korea und anderen asiatischen Nachbarländer, zum Teil unter unmenschlichen Bedingungen, in ihren Fabriken eingesetzt.

Die Zwangsarbeiter klagen nach einem neuen Gesetz im US-Staat Kalifornien, demnach Kriegsopfer ihre Ansprüche gegen Unternehmen aus Drittländern auch in den USA durchsetzten können. "Wir sind optimistisch, dass wir diesen Prozess gewinnen", sagte Fisher. Ziel sei es, möglichst bald einen Entschädigungsfond wie in Deutschland einzurichten, sagte Fischer. "Bisher reden sich die japanischen Firmen noch mit juristischen Spitzfindigkeiten heraus." Nach Gesprächen mit ehemaligen Zwangsarbeitern in China werde er demnächst weitere Klagen gegen japanische Unternehmen einreichen, kündigte Fisher an.

Chinesischen Schätzungen zufolge wurden zwischen 1943 und 1945 bis zu 50 000 chinesische Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Japan verschleppt. Mehr als eine halbe Millionen Chinesen sollen darüber hinaus während der japanischen Okkupation in Arbeitslagern in China festgehalten und zur Zwangsarbeit verpflichtet worden sein, berichten chinesische Medien. Rund 135 japanische Firmen sollen den Berichten zufolge Chinesen in ihre Produktion gezwungen haben. Bislang hat Japans Regierung individuelle Forderungen von Kriegsopfern abgelehnt.

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