Politik : Zwei Fraktionschefs und drei Pässe

David McAllister und Philipp Rösler führen CDU und FDP in Hannover

Klaus Wallbaum[Hannover]

Niedersachsen erlebt nach 13 Jahren SPD-Herrschaft nicht nur einen Regierungswechsel – im Landtag findet nach der Wahl auch ein Generationswechsel statt. Zwei Politiker vor allem, beide um die 30, stehen dafür: die Fraktionsvorsitzenden von CDU und FDP. Beide sind schon wegen ihrer Herkunft ungewöhnliche Politiker.

David McAllister, 32-jähriger Rechtsanwalt aus Bad Bederkesa im Kreis Cuxhaven, führt die 91 CDU-Abgeordneten. Der Jurist gilt als lebenslustig, kann mitreißend reden und wird in der CDU als kommender Mann betrachtet. Weil sein Vater bei der britischen Rheinarmee gedient hat, besitzt McAllister zwei Pässe – einen deutschen und einen britischen. Als die schottischen Zeitungen von seinem Aufstieg in Hannover erfuhren, setzte ein wahrer Medienrummel ein. Einige Zeitungen sahen McAllister schon als „Bundeskanzler im Jahr 2010“. Zu CDU-Veranstaltungen reisen seit einigen Wochen regelmäßig schottische Fernsehteams an. Philipp Rösler, der zweite Newcomer, arbeitete bisher als Augenarzt bei der Bundeswehr in Hannover und ist jetzt Fraktionschef der FDP. Der 29-Jährige wurde in Vietnam geboren und als kleines Kind von deutschen Eltern adoptiert.

McAllister und Rösler fällt nun die Aufgabe zu, die Reihen von CDU und FDP zu schließen und die Regierung im Landtag vor Abstimmungsniederlagen zu bewahren. Das könnte trotz der satten Mehrheit der Koalition schwierig werden, wenn Ministerpräsident Christian Wulff seine Ankündigung einer Konsolidierungspolitik umsetzt. Für ihre Aufgabe kommt McAllister und Rösler ihre seit Jahren beständige Freundschaft zugute. 1996 hatten sie in Hannover studiert, im Biergarten lernten sie sich kennen. McAllister war Kreisvorsitzender der Jungen Union in Cuxhaven, Rösler Mitglied der Jungen Liberalen. Sie entdeckten eine politische Nähe, und sie eint die Erfahrung, als Fremder schief angeschaut oder belächelt zu werden. So erging es McAllister wegen seines Namens bei der Bundeswehr, Rösler wegen seines asiatischen Aussehens in der Schule.

Fast gleichzeitig wurden beide zu Generalsekretären und damit für den Wahlkampf verantwortlich. Vom Charakter her sind sie aber unterschiedlich: McAllister geht locker, beschwingt und angriffslustig ans Werk und schießt manchmal übers Ziel hinaus. Rösler hingegen tritt zurückhaltender auf und schätzt präzise Angaben. Dass die Koalitionsverhandlungen reibungslos verliefen, war nicht zuletzt Rösler und McAllister zu verdanken – die Feinabstimmung funktionierte.

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