• Zwei frühere Manager des Bayerischen Roten Kreuzes wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit und Untreue vor Gericht

Politik : Zwei frühere Manager des Bayerischen Roten Kreuzes wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit und Untreue vor Gericht

Rolf Linkenheil

Sie machen den Eindruck von Biedermännern. Würde man ihnen an einem bayerischen Stammtisch begegnen, gingen sie glatt als höhere Beamte im Ruhestand durch. Doch vor dem Landgericht München I müssen sich Heinrich Franz Xaver Hiedl und Adolf Karl Wilhelm Vogt verantworten, weil sie sich ihren Lebensstandard im Laufe von fünf Jahren mit Bestechungsgeldern in Millionenhöhe bezahlen ließen, wie die Staatsanwaltschaft behauptet. Überdies kamen sie auf Kosten verschiedener Herstellerfirmen von Blutbeuteln und Testseren aus der Diagnostikindustrie, deren Produkte der Blutspendedienst des Roten Kreuzes zu angeblich weit überhöhten Preisen kaufte, mit ihren Frauen ganz schön in der Welt herum; immer auf Kosten der Lieferfirmen. 113 000 Mark zahlte eine von ihnen für die Feier zu Vogts 60. Geburtstag mit 35 Personen in Miami.

Heinrich Hiedl war von 1973 bis 1996 Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und zugleich Hauptgeschäftsführer des Blutspendedienstes (BSD). Seit Februar 1999 sitzt er in Untersuchungshaft. Seinen 68. Geburtstag musste er am Dienstag als Angeklagter begehen. Hiedl war in der Tat vor seiner Tätigkeit für das BRK ein ehrenwerter bayerischer Beamter. Als Staatsanwalt und Richter sorgte er selbst für Recht und Ordnung, ehe ihn der von 1962 bis 1978 das Land regierende CSU-Ministerpräsident Alfons Goppel zu seinem persönlichen Referenten berief. Goppel, der auch dem BRK als Präsident vorsaß, machte Hiedl 1973 zum Landesgeschäftsführer.

Der 66 Jahre alte, ebenfalls in Untersuchungshaft sitzende Adolf Vogt führte als kaufmännischer Geschäftsführer die Verhandlungen mit den Herstellern der benötigten medizinischen Produkte. Er kaufte ein, Hiedl unterschrieb. In einer Vielzahl von Fällen sollen beide die Entscheidung, bei welcher Firma eingekauft wurden, davon abhängig gemacht haben, "ob diese sich ihnen gegenüber großzügig verhalten hat", behauptet Staatsanwältin Brigitte Kugelmann. Zwischen zehn und zwanzig Prozent mehr als auf dem Markt üblich sollen Vogt und Hiedl bezahlt haben.

Beraterverträge, Schmiergelder, die in Briefumschlägen übergeben wurden, teure Stereoanlagen, Videokameras, Personalcomputer, hohe Beträge durch fingierte Rechnungen für niemals geliefertes Werbematerial des BSD, die ebenfalls einer der Blutbeutelhersteller bezahlte, waren nicht die einzigen Vorteile, die Vogts und Hiedl von den Diagnostikfirmen zum Teil angeblich forderten und zum großen Teil offenbar auch angeboten bekamen. Vor allem Vogts erfreute sich einer ganzen Reihe luxuriöser Reisen in Begleitung seiner Frau in verschiedene Gegenden der USA, nach Puerto Rico oder auch nach Venedig. Den Flug in der ersten Klasse, das Hotel und auch den zuvor oder anschließend damit verbundenen Urlaubsaufenthalt bezahlten die Firmen.

Dass Hiedl und Vogt vergaßen, den größten Teil der Einnahmen und geldwerten Vorteile zu versteuern, nimmt sich angesichts der zahlreichen, von der Staatsanwaltschaft auf 32 Seiten minutiös aufgelisteten Fälle der Bestechlichkeit und Untreue etwas weniger aufregend aus, als der Schaden von 17 Millionen zum Nachteil des Roten Kreuzes. Die Organisation stürzte in ein tiefes Vertrauensloch, als die Vorwürfe im Herbst 1998 bekannt wurden.

Vogt und Hiedl haben am Dienstag durch schriftliche, von ihren Anwälten verlesene Erklärungen die Vorwürfe der Untreue zurückgewiesen. Weil sie hochwertige Produkte eingekauft hätten, hätte das BRK seine Blutkonserven auch zu hohen Preisen verkaufen können. Auf diese Weise sei die Hilfsorganisation insgesamt nicht geschädigt worden. Sie habe vielmehr "glänzend verdient". Nur die Entgegennahme von 30 000 DM für nicht gedruckte Broschüren sowie die 120 000 DM für nicht gelieferte Werbebecher seien "eine große Schweinerei" gewesen. "Hierfür schäme ich mich", gestand Vogt dem Gericht.

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