Politik : Zwei gegen das Böse

Bush besucht Polen – und würdigt dessen Präsidenten als europäischen Freund im Kampf gegen gemeinsame Feinde

Thomas Roser[Warschau]

An Sympathiebekundungen ließen es weder Gast noch Gastgeber mangeln. Es sei ihm eine „Ehre und große Genugtuung“, den US-Präsidenten bereits zum zweiten Mal in zwei Jahren empfangen zu dürfen, begrüßte Polens Präsident Aleksander Kwasniewski im historischen Gemäuer des Krakauer Schlosses Wawel seinen „Freund“ George Bush. Auch er freue sich über das Zusammensein, gab der hohe Gast aus Washington die Komplimente zurück: „Amerika wird euch nicht vergessen, dass ihr Polen im Irak für eure und unsere Freiheit gekämpft hat.“

Nicht von ungefähr hatte Bush ausgerechnet Krakau als erste Station seiner mehrtägigen Europa-Tournee ausgewählt. Dank der vorbehaltlosen Bündnistreue und der wichtigen diplomatischen Schrittmacherdienste im Irak-Konflikt ist Polen innerhalb weniger Monate zum europäischen Lieblingspartner der USA avanciert. Doch der US-Präsident nutzte seine Stippvisite in Krakau nicht nur zum Dank. Bush wollte nach den heftigen transatlantischen Verstimmungen über den Irak-Krieg vor allem seine Bereitschaft zu einem Neuanfang in dem belasteten Verhältnis zu Europa signalisieren.

Die USA bräuchten die „Hilfe, den Rat und die Weisheit“ der europäischen Verbündeten, warb der US-Präsident für transatlantische „Einigkeit“. Es sei „nicht der Zeitpunkt“, um in dieser „großartigen Allianz Meinungsverschiedenheiten heraufzubeschwören“, erinnerte Bush an „gemeinsame Werte“: „Wenn Europa und die USA zusammenstehen, können kein Problem, kein Feind dagegen bestehen.“ Bush zufolge ist Washington vor allem an verstärkten Investitionen der Europäer in moderne Militärtechnologie gelegen. Denn nur eine starke Nato könne beim Kampf gegen den Terrorismus die Sicherheit garantieren: „Angriffe und böse Absichten dürften nicht ignoriert und beschwichtigt werden, man muss sich ihnen früh und entschieden stellen.“

Den europäischen Partnern bot der US-Präsident eine verstärkte Zusammenarbeit beim Kampf gegen Hunger und Aids an. Zudem kündigte er eine Initiative an, um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen zu stoppen. Die USA seien mit Unterstützung Polens dabei, Vereinbarungen auszuarbeiten, die auf den Weltmeeren das Durchsuchen von Schiffen möglich machten. Europäischen Zweifeln an der Fähigkeit Polens, im Irak eine eigene Besatzungszone zu führen, hatte Bush bereits am Vorabend in einem Interview mit dem polnischen Fernsehen widersprochen: „Die Nato wird Polen bei seinen Anstrengungen im Irak unterstützen. Polen wird nicht allein sein.“

Bei der Frage einer möglichen Verlagerung von Militärbasen von Deutschland nach Polen vermied der US-Präsident eine Festlegung: „Wir prüfen alle Optionen. Ich mache keine Versprechungen, aber wir werden uns erinnern, wer unsere Freunde sind.“ Vor seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede auf dem Krakauer Schloss Wawel hatte der Gast aus Washington gemeinsam mit seiner Frau Laura am Samstagmorgen das frühere deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besucht. Das Vernichtungslager sei eine „ernüchternde Erinnerung an die Macht des Bösen“, sagte er und rief nach der Kranzniederlegung an der Gedenkstätte zum Widerstand gegen Antisemitismus und „das Böse“ auf.

In dem deutschen KZ in der Nähe der polnischen Stadt Oswiecim waren während des Zweiten Weltkrieges rund 1,5 Millionen Juden und Zehntausende andere von den Nationalsozialisten Verfolgte vergast worden. Es war der erste Besuch eines amtierenden US-Präsidenten in Auschwitz seit 1975, als Bushs Amtsvorgänger Gerald Ford das KZ besucht hatte.

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