Politik : Zwei Ingenieure aus Leipzig im Irak entführt

Bundesregierung richtet Krisenstab ein Noch keine Forderungen der Geiselnehmer

Frank Jansen

Bagdad/Tikrit/Berlin - Knapp zwei Monate nach der Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff haben Kidnapper im Irak zwei deutsche Ingenieure verschleppt. Nach Informationen des Tagesspiegels wurden der 28-jährige Thomas N. und der 31 Jahre alte René B. aus Leipzig am Dienstagmorgen gegen 8 Uhr in der nordirakischen Stadt Baidschi entführt. Die bewaffneten Entführer stoppten mit ihren Wagen das Fahrzeug der Deutschen, die sich auf dem Weg zur Arbeit in der Ölraffinerie von Baidschi befanden. Thomas N. und René B. wurden gefesselt und in den Wagen der Entführer weggefahren.

Nach unbestätigten Angaben deutscher Sicherheitskreise ließen die Kidnapper den Begleiter der beiden Ingenieure, den Deutsch-Iraker Rebiti D., laufen. Über Motive und Forderungen der Geiselnehmer wurde nichts bekannt. Im Auswärtigen Amt kam ein Krisenstab zusammen. Nach Angaben von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) tagte das Gremium bereits am Vormittag.

Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) sagte am Rande der Amtseinführung des neuen BND-Präsidenten Ernst Uhrlau in Berlin, bei den Entführten handele es sich um zwei Männer aus Leipzig. Nach Informationen des Tagesspiegels sind Thomas N. und René B. Angestellte der sächsischen Firma Cryotec und waren erst drei Tage im Irak. Das Unternehmen aus Bennewitz bei Wurzen ist im Anlagenbau tätig. Cryotec war auch schon zu Zeiten des Regimes von Saddam Hussein im Irak aktiv. Die entführten Techniker sollten nur für kurze Zeit bei dem Unternehmen „Arab Detergent Chemicals Company“ auf dem Gelände der Ölraffinerie von Baidschi Maschinen installieren. Thomas N. und René B. hatten offenkundig aus Sorge vor Entführungen in einer Kaserne in Baidschi übernachtet. Die Firma Cryotec lehnte jede Auskunft ab.

Etwa zwei Stunden nach der Entführung meldete sich bei der deutschen Botschaft in Bagdad ein Anrufer, der die Entführung der Deutschen meldete. Den deutschen Behörden war am Dienstag jedoch unklar, ob es sich bei dem Mann um den Deutsch-Iraker handelte, den die Entführer verschont haben sollen, ob es ein Augenzeuge war oder eine Person, die mit den Entführern zu tun hat.

Baidschi liegt etwa 200 Kilometer nördlich von Bagdad im so genannten sunnitischen Dreieck. Rund um die Ölraffinerie von Baidschi befinden sich in einem Industriegebiet mehrere Betriebe der chemischen Industrie. Die Region gilt als eine der Hochburgen der irakischen Terrorszene. In der Stadt hat es zahlreiche Anschläge gegeben. Saboteure hatten mehrfach Pipelines beschädigt. Deutsche Sicherheitsexperten befürchten, dass die Entführung der beiden Männer eine Folge der Geiselnahme von Susanne Osthoff sein könnte. Vor allem die Berichterstattung über angeblich von der Bundesregierung gezahltes Lösegeld könnte die Kidnapper angeregt haben, sich nach Deutschen umzusehen. Generalbundesanwalt Kay Nehm hielt ein Ermittlungsverfahren im neuen Entführungsfall für wahrscheinlich.

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