Politik : Zwei Jahre Haft für Pfahls gefordert

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Augsburg Der frühere Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls soll zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt werden. Das haben am Freitag im Augsburger Korruptionsprozess übereinstimmend Staatsanwaltschaft und Verteidigung gefordert. Der 62-jährige Angeklagte sei der Vorteilsannahme und der Steuerhinterziehung schuldig, befanden beide Prozessparteien in ihren Plädoyers vor dem Augsburger Landgericht.

Pfahls hatte bereits am ersten Verhandlungstag gestanden, vom Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber rund 1,9 Millionen Euro kassiert und nicht versteuert zu haben. Er sagte in seinem Schlusswort: „Ich habe viel darüber nachgedacht, weiß aber bis heute nicht, warum ich so lange neben der Spur gestanden habe – ich kann das nicht erklären.“ Unerklärlich sei ihm bis heute auch, dass er überhaupt von Schreiber Geld genommen habe. Er müsse sich nicht nur bei Ex-Kanzler Helmut Kohl (CDU) entschuldigen, sondern auch bei seinen ehemaligen Mitarbeitern und allen, die er enttäuscht habe.

Pfahls betonte ferner, er müsse nun zum dritten Mal in seinem Leben einen Neuanfang wagen. Im Rentenalter wolle er nochmals versuchen, „wieder Boden unter die Füße zu bekommen“. Er wisse noch nicht, ob und wie er das schaffe, wolle sich aber bemühen und bitte das Gericht, ihm dazu möglichst bald eine Chance zu geben. Pfahls meinte damit eine Aussetzung der erwarteten Haftstrafe nach Verbüßung der Hälfte der Haftzeit – und das wäre bereits im September. Genau dies ist ihm für sein umfassendes Geständnis in Aussicht gestellt worden. Entschieden wird darüber aber erst nach der Urteilsverkündung.

Nach der Zeugenaussage von Altkanzler Kohl war die Staatsanwaltschaft Augsburg vom ursprünglichen Vorwurf der Bestechlichkeit gegen Pfahls abgerückt. Kohl hatte erklärt, der Export von Fuchs-Panzern nach Saudi-Arabien im Jahr 1991 sei allein seine Entscheidung gewesen. Darauf habe Pfahls keinerlei Einfluss gehabt. ddp/dpa

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