Politik : Zwei Linke fühlen sich gelinkt

Matthias Schlegel

Potsdam - Eigentlich soll es darum gehen, was aus ihren Träumen geworden ist. Doch Visionen von sozialer Gerechtigkeit taugen für Oskar Lafontaine und Gregor Gysi nicht recht, um ein erwartungsfrohes Publikum am Mittwochabend in der Reithalle des Hans-Otto- Theaters in Potsdam zu unterhalten. Mit der Gysi’schen Formel „Wer träumt, träumt immer von wat, wat er nich hat“ ist dazu eigentlich alles gesagt. Schnell landen sie in der Realpolitik. Mithin bei ihren Albträumen – Neoliberalismus, Schröder, Hartz IV.

Jetzt komme von der SPD plötzlich Kritik am Kapitalismus, „nachdem man bisher immer den Eindruck hatte, die können ihn besser organisieren als die FDP“, sagt Gysi. Für ihn ist das nur ein Beleg mehr, dass man von dieser Regierung nicht wisse, für welche Visionen sie stehe. „Auf mich wirkt das, als würde sich Müntefering schon auf die Opposition einrichten.“ Lafontaine feixt. „Ich würde mir wünschen, er hätte es ehrlich gemeint“, sagt der frühere SPD-Chef – um den Zweifel gleich nachzuschieben: Was soll man von einem halten, der von Investoren redet, die wie Heuschrecken über die Wirtschaft herfallen, und gleichzeitig Steuersenkungen für die Unternehmen plant?

Das mit den Zwängen der Globalisierung und dem fehlenden Geld fürs Soziale sei ohnehin falsch: Um 50 Milliarden Euro sei 2004 das Volkseinkommen gewachsen – und allein auf den Konten der Unternehmer und Vermögenden gelandet. Wenn die Senkung der Lohnnebenkosten ins Zentrum der Politik gestellt werde, heiße das übersetzt nicht anderes als: Das Wichtigste ist die Kürzung des Geldes für Kranke, Rentner, Arbeitslose und Pflegebedürftige. Das sei gefühlskalt. Gysi nickt. Heftig.

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