Politik : Zwei Monate der Angst

Guerilla in Kolumbien lässt deutsche Geisel frei

Bernd Radowitz[Rio de Janeiro]

Von Bernd Radowitz,

Rio de Janeiro

Über zwei Monate Angst und Entbehrungen im kolumbianischen Bergland sind für die Deutsche Reinhilt Weigel und den Spanier Asier Huegun Etxeberria am Montag zu Ende gegangen. Die marxistische Nationale Befreiungsarmee (ELN) entließ die Rucksacktouristen aus ihrer Geiselhaft und übergab die beiden einer humanitären Kommission. Ein Hubschrauber des Roten Kreuzes flog die freigelassenen Geiseln dann in die nordkolumbianische Stadt Valledupar. Beide befänden sich bei ,,bester Gesundheit“, versicherte ein kolumbianischer Vermittler.

Die Guerilla hatte die 24-jährige Deutsche und den Spanier am 12. September mit sechs weiteren ausländischen Touristen in der Sierra Nevada de Santa Marta im Norden des Andenlandes entführt. Damit wollte die kleinere von zwei linksgerichteten Rebellengruppen in Kolumbien auf die dramatische Lage der Menschenrechte in der abgelegenen Gebirgsregion aufmerksam machen. Eine der Hauptforderungen der ELN zur Freilassung der Touristen war die Entsendung einer Kommission in die Region, um sich ein Bild von den Menschenrechtsverletzungen an der Bevölkerung zu machen. Dem kamen am Wochenende Kirchen- und UN-Vertreter nach, die begannen, die Not verarmter Bauern und Indio-Gruppen und Vorwürfe von Übergriffen der Armee und rechtsgerichteter Paramilitärs zu untersuchen.

Es ist zu erwarten, dass die Guerilla für die Freilassung der übrigen fünf ausländischen Geiseln in den nächsten Wochen ähnliche Forderungen stellt. Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe hatte die etappenweise Freilassung der Touristen abgelehnt. Damit würde der ELN eine ,,Propaganda-Show“ ermöglicht. Uribe versucht seit seinem Amtsantritt vor 15 Monaten die etwa 5000 Mann starke ELN und die 17 000 Mann starken Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) militärisch zu besiegen. Zuvor waren Verhandlungen gescheitert. Die Militärkampagne wird von den USA mit Milliarden Dollar unterstützt. Menschenrechtsorganisationen haben jedoch wiederholt die Nähe von Teilen der kolumbianischen Armee zu den Paramilitärs kritisiert. Uribe scheint von den Vorwürfen unbeeindruckt. Erst letzte Woche ernannte er einen General zum neuen Kommandanten der kolumbianischen Streitkräfte, dem eine Mitschuld an Folter und Massakern in der Nordprovinz angelastet wird.

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