Politik : Zwei Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan schwer verletzt

Ruth Ciesinger

Berlin - Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Bundeswehrpatrouille in Afghanistan sind am Mittwochnachmittag drei Soldaten verletzt worden, zwei davon schwer. Das Attentat geschah etwa 35 Kilometer südlich der Stadt Kundus im Norden des Landes, berichtete ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Zuvor war am frühen Morgen bereits das Hochplateau, auf dem das Bundeswehrlager liegt, mit Raketen angegriffen worden. Dabei wurde aber niemand verletzt.

Der südliche Teil der Provinz Kundus gilt generell als unruhig, die meisten Anschläge und Attentate im Einsatzgebiet der Bundeswehr hat es in der Vergangenheit dort gegeben. Im vergangenen Jahr waren bei einem Anschlag auf einen Markt in Kundus drei Bundeswehrsoldaten getötet worden. Deutschland hat derzeit an die 3500 Soldaten in Afghanistan stationiert.

Die am Mittwoch verletzten Bundeswehrsoldaten waren Teil einer regulären Patrouille gewesen. Als die Männer gerade ein defektes Bundeswehrfahrzeug an der Straße bergen wollten, sprengte sich neben ihnen ein Motorradfahrer in die Luft. Die beiden schwerverletzten Soldaten wurden mit dem Helikopter in das Lazarett nach Masar-i-Sharif gebracht. Genauere Angaben wollte der Bundeswehrsprecher zum Zustand der beiden nicht machen, derzeit werde aber noch „nicht über eine Rückholung“ nach Deutschland gesprochen. Nach den Hintermännern des Anschlags ermitteln jetzt afghanische Sicherheitskräfte, wohl auch in Zusammenarbeit mit den Deutschen.

Am Mittwoch wurde außerdem bekannt, dass schon vor mehreren Tagen ein deutscher Geschäftsmann in Kabul entführt worden ist. Das Auswärtige Amt hat nach eigenen Angaben bereits am 29. Juli davon erfahren, einen Tag nachdem Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) aus Afghanistan zurückgekehrt ist. Seitdem arbeite der Krisenstab zusammen mit den afghanischen Behörden sowie der Botschaft in Kabul an dem Fall.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa gehen Sicherheitskreise weder von einem politischen Bezug noch von einem Bezug zu Deutschland aus. Offenbar habe der Fall einen kriminellen Hintergrund und sei „ein typischer Fall der hiesigen Entführungsindustrie“. Entführungen mit kriminellem Hintergrund haben landesweit – auch in der schwer gesicherten Hauptstadt Kabul – deutlich zugenommen. Wie die „Welt“ berichtet, soll der Mann, der sowohl die deutsche als auch die afghanische Staatsbürgerschaft besitzt, bereits am 25. Juli entführt worden sein. Er stamme vermutlich aus Norddeutschland. Ruth Ciesinger

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