Politik : Zwei türkische Publizisten nach „Pamuk-Paragrafen“ verurteilt

Thomas Seibert

Istanbul - Knapp eine Woche nach Beginn des Prozesses gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk in Istanbul sind in der Türkei zwei Publizisten wegen „Beleidigung des türkischen Staates“ verurteilt worden. Der Autor Zülküf Kisanak erhielt wegen seines Buches „Verlorene Dörfer“ eine fünfmonatige Haftstrafe, die in eine Geldstrafe von umgerechnet knapp 2000 Euro umgewandelt wurde. Kisanaks Buch befasst sich mit dem Schicksal tausender Dörfer, die während des Krieges zwischen der türkischen Armee und der kurdischen Rebellengruppe PKK geräumt und zerstört wurden; viele dieser Ortschaften wurden von der Armee niedergebrannt, um der PKK den Nachschub abzuschneiden. Das Gericht sah in dem Buch eine Verunglimpfung des türkischen Staates und verurteilte den Autor nach Paragraf 301 des Strafgesetzbuches, unter dem auch Pamuk wegen seiner unliebsamen Äußerungen über die türkischen Massaker an den Armeniern angeklagt ist.

Der Journalist Aziz Özer wurde wegen eines Artikels in einer von ihm herausgegebenen linksgerichteten Zeitschrift nach Paragraf 301 zu fünf Monaten Haft verurteilt, umgewandelt in eine Geldstrafe von 4000 Euro. Unterdessen erhob ein Staatsanwalt in Ankara Anklage gegen den türkischen Verleger eines griechischen Romans, der angeblich ebenfalls zahlreiche gegen die Türkei gerichtete Beleidigungen enthalten soll. Das Buch „Die Hexen von Smyrna“ ist in der Türkei seit über einem Jahr ein Bestseller und spielt während der Osmanen-Zeit.

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