Politik : Zweifel an Islamisten als Düsseldorfer Täter

Al Tawhid kommt für Anschlag auf Aussiedler wohl nicht in Frage

Frank Jansen

Düsseldorf. Mehr als drei Jahre sind seit dem schweren Anschlag vergangen, und wieder ist die Hoffnung auf einen Ermittlungserfolg geplatzt. Der Verdacht, Islamisten hätten am 27. Juli 2000 in Düsseldorf das Sprengstoffattentat auf eine Gruppe jüdischer Aussiedler verübt, scheint sich nicht zu bestätigen. „Es ist ein Ermittlungsansatz, aber keine heiße Spur“, sagte am Mittwoch der Düsseldorfer Staatsanwalt Ralf Herrenbrück dem Tagesspiegel. Zuvor war gemeldet worden, die Polizei wolle prüfen, ob die mit Al Qaida liierte Vereinigung Al Tawhid für den Anschlag verantwortlich ist. Anlass waren Aussagen des Al-Tawhid-Mitglieds Shadi A., der sich zur Zeit vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen geplanter Anschläge verantworten muss. Der Palästinenser hatte berichtet, Al Tawhid habe in Düsseldorf eine von Juden besuchte Kneipe und ein weiteres jüdisches Objekt angreifen wollen. Die Kneipe befindet sich in der Nähe einer Fußgängerbrücke zum S-Bahnhof Wehrhahn, auf der im Juli 2000 der Sprengsatz explodierte – als die zehn Aussiedler vorbeikamen.

Der Anschlag löste enorme Empörung aus. Sie richtete sich gegen die rechte Szene, da Politiker und Medien Neonazis als Attentäter vermuteten. Der Polizei gelang es jedoch nicht, den oder die Täter zu fassen. Die Gruppe um Shadi A. kommt jedenfalls kaum in Frage. Shadi A. befand sich von Mai bis Ende Juli 2000 in Afghanistan. Die anderen Mitglieder seiner Zelle waren laut Staatsanwaltschaft erst 2001 so weit, dass sie Anschläge verüben konnten.

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