Zweite Amtszeit als Bundespräsident : Alle wollen Joachim Gauck

Alle relevanten politischen Kräfte haben Bundespräsident Joachim Gauck gebeten, für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Der weiß um die Brisanz, die eine Absage mit sich brächte.

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Bundespräsident Joachim Gauck hat sich noch nicht für eine zweite Amtszeit entschieden.
Bundespräsident Joachim Gauck hat sich noch nicht für eine zweite Amtszeit entschieden.Foto: Jochen Lübke/dpa

Vor einem halben Jahr hatte Angela Merkel davon gesprochen, sie werde Joachim Gauck „in jeder Richtung“ unterstützen, was man durchaus als eine gewisse Gleichgültigkeit in der Frage werten konnte, ob dieser Bundespräsident nun eine zweite Amtszeit anstrebt oder nicht. Nun wird allgemein damit gerechnet, dass Gauck mit der Bekanntgabe seiner Entscheidung nicht mehr bis in den Sommer hinein warten wird. Und die Kanzlerin sagt, dass sie sich über eine Verlängerung „freuen“ würde. Mithin haben nun alle relevanten politischen Kräfte den Amtsinhaber gebeten, weitere fünf Jahre zu bleiben.

Der so Umworbene hatte zuletzt keinerlei Zweifel daran aufkommen lassen, dass ihm die politische Brisanz einer Absage, zum Beispiel aus Altersgründen (Gauck ist 76 Jahre alt), bewusst ist.

Erst vergangene Woche hatte er mit deutlichen Worten vor einem Auseinanderbrechen Europas an der Flüchtlingskrise gewarnt. Und auch zur zunehmenden Spaltung der deutschen Gesellschaft hatte Gauck klare Worte gefunden. Der Präsident weiß also um seine Rolle – und um die Schwierigkeiten, in die er die deutsche Politik bringen würde, entschiede er sich gegen eine zweite Amtszeit.

Kauder in der Reihe der Werbenden

Damit wären Union und SPD, deren Koalition die Flüchtlingspolitik ohnehin stark belastet, gezwungen, sich zeitnah um Kandidaten zu bemühen. Da die Wahl Anfang 2017 – kurz vor der Bundestagswahl im Herbst – ansteht, käme die Kandidatensuche einem vorgezogenen Wahlkampf gleich und würde die Arbeit der Koalition an anderen Themen, vor allem der Flüchtlingspolitik, stark belasten. Das ist Grund genug für einen, der an solcher Störung gar kein Interesse haben kann, Gauck einen „hervorragenden Bundespräsidenten“ zu nennen und sich auch zu „freuen, wenn er sich für eine zweite Amtszeit entscheidet“: So reihte sich Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) jetzt in die Reihe der Werbenden ein.

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