Politik : Zweite Karriere mit 65

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Wenn Politiker ins Rentenalter kommen, haben sie den Zenit ihrer Karriere oft schon überschritten. Bei Hans-Ulrich Klose, der am Freitag seinen 65. Geburtstag beging, sollte man da nicht so sicher sein. Schließlich wurde der des SPD-Politikers, der Vorsitzender der Auswärtigen Ausschusses ist, in den vergangenen Monaten immer wieder genannt, wenn es um einen Nachfolger für Verteidigungsminister Rudolf Scharping ging. Doch auch in anderen politischen Konstellationen als einer rot-grünen Koalition könnte die politische Erfahrung Kloses nach dem 22. September durchaus gefragt sein.

Schließlich wurde seine Arbeit als SPD-Fraktionsvorsitzender (1991- 94) von seinem damaligen Unions-Pendant Wolfgang Schäuble sehr geschätzt.

Der Hanseat Klose ist das Gegenteil eines Apparatschiks, sondern eher ein Freigeist, dem die Stringenz der Argumentation oft wichtiger schien als der machtpolitische Durchmarsch. Dabei hat der Pfeifenraucher Erfahrungen mit Spitzenpositionen, etwa als Erster Bürgermeister Hamburgs (1974 - 81) oder als SPD-Schatzmeister. Gegen eine häufig wankelmütige Parteimehrheit ist der in Breslau geborene Jurist stets dafür eingetreten, die Verpflichtungen aus Deutschlands Westbindung auch zu erfüllen – noch heute plädiert gegen Anflüge politischer Romantik immer wieder klar für außenpolitischen Realismus, etwa wenn er die Androhung militärischen Drucks gegen den Irak als nötig bezeichnet. Mit Klose verfügt die SPD über einen politischen Kopf, der ähnlich wie der um einige Jahre ältere Innenminister Otto Schily Souveräntität, Gelassenheit und Solidität verkörpert – drei Eigenschaften, die erst in einem hohen Amt ihre volle Wirkung entfalten. Hans Monath

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