Zweiter Weltkrieg : Polen erinnert an deutsche Zerstörung und Bestialität

Präsident Duda mahnt: Erinnerung und Vergebung sind wichtig - "Genugtuung" aber auch. Das wird als Anspielung auf polnische Reparationsforderungen an Deutschland gewertet.

Polen hat zum 78. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges an die Zerstörung und Bestialität beim deutschen Angriff erinnert.
Polen hat zum 78. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges an die Zerstörung und Bestialität beim deutschen Angriff erinnert.Foto: imago/Eastnews

Polen hat zum 78. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges an die Zerstörung und Bestialität beim deutschen Angriff erinnert. Präsident Andrzej Duda sprach in diesem Jahr nicht wie üblich auf der Westerplatte bei Danzig, sondern in der zentralpolnischen Stadt Wielun, die zu Kriegsbeginn als eine der ersten bombardiert wurde. Der Ort sei „ein Symbol der Bestialität, deutscher Bestialität. Ohne Vorwarnung wurden einfache, schlafende Leute angegriffen, ein Krankenhaus wurde bombardiert“, sagte Duda während einer Gedenkfeier am Freitag.

Die Erinnerung daran sei extrem wichtig, aber „notwendig ist auch Vergebung, denn sie bildet die Grundlage für gute nachbarschaftliche Beziehungen“, sagte Duda. Wichtig sei aber auch „Genugtuung“ - das wurde als Anspielung auf mögliche Reparationsforderungen Polens gewertet.

Ministerpräsidentin Beata Szydlo sagte während einer Gedenkfeier auf der Halbinsel Westerplatte bei Danzig, dass Polens heutige Wirtschaft ohne die „Hölle des Zweiten Weltkrieges“ deutlich stärker wäre. „Polen wurde völlig zerstört und ausgeraubt, Warschau dem Erdboden gleichgemacht“, sagte sie. Man müsse daran erinnern, wer Opfer und wer Henker gewesen sei. Polen sei zugleich Opfer und Held gewesen, weil es sich dem Feind entgegengestellt habe, sagte Szydlo. 

Szydlo schlug auch einen Bogen zum aktuellen Konflikt mit der EU. Polen sei ein „solidarisches, sicheres, rechtsstaatliches und demokratisches Land“, sagte sie. Man könne es nicht zu einer Situation kommen lassen, in der „einige europäische Politiker der Versuchung erliegen, mit anderen aus einer Position der Stärke heraus zu sprechen“.

Am frühen Morgen des 1. September 1939 eröffnete ein deutsches Kampfschiff das Feuer auf ein polnisches Munitionslager auf der Westerplatte. Dies gilt als der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Etwa zur gleichen Zeit begann die Bombardierung der Statd Wielun, dabei starben den Angaben zufolge bis zu 2000 Menschen. (dpa)

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