Politik : Zweites Verhör von Blair in Spendenaffäre

Matthias Thibaut

London - Großbritanniens berühmtester Polit-Blogger, Guido Fawkes, hat das Rücktrittsschreiben von Tony Blair seit Tagen auf seiner Homepage. Am Mittwoch forderte zum ersten Mal Oppositionschef David Cameron im Unterhaus den Rücktritt Blairs: „Wann begreift er endlich, dass es vorbei ist.“ Am Donnerstag dann schlug wie eine Bombe die Nachricht ein, dass Blair erneut von der Polizei verhört worden ist – und zwar bereits am vergangenen Freitag.

Zum zweiten Mal hat die Polizei nun den Premier der Demütigung eines Verhörs unterzogen. Auf Bitten Scotland Yards war dies fast eine Woche lang verschwiegen worden. Offenbar wusste nicht einmal Blairs Pressesprecher davon, der die Medien tagelang in die Irre geführt hatte. Vier Tage nach Blairs Verhör war sein Freund und Spendeneintreiber Lord Levy verhaftet worden. Die Frage ist: Hat Blair der Polizei etwas gesagt, was sie zu Levy führte?

„Das riecht immer mehr nach Watergate“, sagt der liberale Abgeordnete Ed Davy. Die Polizei untersucht, ob im Umkreis Blairs jemand gegen das Parteienfinanzierungsgesetz verstoßen und Spendengelder verheimlicht oder für Senden Lordtitel versprochen hat. Berichten zufolge scheint die Polizei Aufzeichnungen über Gespräche Levys in der Downing Street zu diesem Thema auf der Spur zu sein. Verhaftet wurde Levy aber unter dem Verdacht, dass er Polizeiarbeit behindert hat: ein Vertuschungsmanöver.

„Je länger das geht, desto unhaltbarer wird die Situation für Blair“, sagt der Abgeordnete Elfynn Llwyd von der Nationalpartei Wales. Labourpolitikern fällt das Reagieren auf die Krise schwerer. Viele können ihren Frust über die Arbeit der Polizei kaum verbergen. „Die Affäre richtet immensen Schaden an“, sagt ein Abgeordneter. Eine neue Parteirevolte gegen Blair würde aber Labour selbst schaden. Solange weder gegen Blair noch seine Mitarbeiter Vorwürfe erhoben werden, ist ein Rücktritt ausgeschlossen. Ob es zu Anklagen kommt, ist offen.

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