Politik : Zwickel fordert Rücktritt von Peters

IG-Metall-Chef wirft seinem Vize Täuschung vor / Der Tarifexperte will aber weiter an die Spitze der Gewerkschaft

Alfons Frese

Berlin. Der Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, hat die Verantwortlichen für den verlorenen Arbeitskampf in Ostdeutschland zum Rücktritt aufgefordert. „Das wäre ein Signal für einen Neuanfang“, sagte Zwickel in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel. Gemeint sind vor allem das für Tarifpolitik zuständige Vorstandsmitglied der IG Metall, Jürgen Peters, und der ostdeutsche Streikleiter Hasso Düvel. Peters bekräftigte unterdessen seinen Willen, auf dem Gewerkschaftstag im Oktober als erster Vorsitzender zu kandidieren. „Ich habe nicht die Absicht, Abschied zu nehmen – warum auch“, sagte Peters im Deutschlandfunk.

Düvel sagte, er stehe „unverändert dazu, die politische Verantwortung für diese Tarifrunde zu übernehmen“. Aus seinem Bezirk Berlin, Brandenburg und Sachsen bekam er Rückendeckung. Neun von zwölf Bevollmächtigten lehnten einen Rücktritt Düvels ab. „Eine wirkliche Aufarbeitung der Ereignisse kann nur mit dem Streikleiter gelingen“, heißt es in einer Erklärung. Dem Vernehmen nach will Düvel bis zum Gewerkschaftstag auf seinem Posten bleiben.

Klaus Zwickel erhob im Gespräch mit dem Tagesspiegel den Vorwurf, sowohl der Vorstand der IG Metall als auch die Streikenden seien von Düvel und Peters getäuscht worden. Ein Vorstandsbeschluss über die Streikstrategie „wurde in der Mehrzahl der Betriebe nicht umgesetzt“. Deshalb sei der Vorstand „faktisch getäuscht worden“. Den Metallarbeitern im Osten sei von Peters und Düvel und anderen Streikbefürwortern suggeriert worden, die IG Metall habe „eine Lösung, was die Arbeitszeitverkürzung betrifft“. Das kritisierte Zwickel, weil es „eine Lösung aus den 80er Jahren im Westen ist“.

Der Gewerkschafts-Chef monierte ausdrücklich die Art und Weise, wie die Spitzenfunktionäre der IG Metall im Osten agierten. Die Streikenden hätten die Botschaft bekommen, „wir wissen, wie es geht“, und dann sei ihnen gesagt worden, was sie zu tun hätten. „Diese Art von Politik-Machen ist ja den ,Ossis’ nicht ganz unbekannt. Dass sich die Welt seit den 80er Jahren verändert hat, dass die Einstellungen und Prioritäten der Menschen sich verändert haben und dass es so was gibt wie Ostmentalität, das haben manche nicht begriffen“, kritisierte Zwickel seine eigenen Leute. Wenn die IG-Metall-Funktionäre sich auf eine Diskussion mit den Menschen im Osten eingelassen hätten, „dann hätten die vermutlich die Tarifpolitiker der IG Metall gezwungen, anstelle von Parolen tarifpolitische Innovationen zu entwickeln“, sagte Zwickel.

Unterdessen forderte auch der Bezirk Küste Peters zum Rücktritt auf. Die IG Metall benötige nach der Niederlage eine neue, unbelastete Führung. Dagegen gab es für Peters und Düvel Unterstützung aus Sachsen. Der so genannte Vertrauenskörper der Gewerkschaft bei VW in Mosel sowie die Verwaltungsstelle Zwickau betonten in ähnlich lautenden Erklärungen, man stehe „uneingeschränkt“ zu den beiden Spitzenfunktionären. Dagegen forderte der Chemnitzer Streikführer Sieghard Bender den Rücktritt von Peters und Düvel.

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