Politik : Zwischen Misstrauen und Freundschaft

Gauck und Hollande fordern in Paris verstärkten Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit.

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In aller Freundschaft. Hollande (links), Gauck am Dienstag in Paris. Foto: dpa
In aller Freundschaft. Hollande (links), Gauck am Dienstag in Paris. Foto: dpaFoto: dpa

Paris - Bundespräsident Joachim Gauck und Frankreichs Staatsoberhaupt Francois Hollande haben zu größeren Anstrengungen zur Überwindung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa aufgerufen. Dass 26 Prozent der jungen Menschen ohne Arbeit sind, sei „auf Dauer nicht hinnehmbar“, sagte Gauck am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Hollande zum Auftakt eines dreitägigen Staatsbesuchs in Frankreich. Beide Präsidenten verurteilten den Giftgasangriff in Syrien, der eine „angemessene“ Antwort erfordere. Für Hollande gibt es keine Zweifel an der Urheberschaft des syrischen Regimes. Gauck legte dar, dass Deutschland aus „historischen Gründen“ bei internationalen Interventionen eine andere Haltung einnehme als Frankreich.

Mit seinem Besuch in Frankreich im 50. Jahr nach Unterzeichnung des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit will Gauck nach Angaben des Bundespräsidialamtes „die Vielfalt und die Intensität der bilateralen Beziehungen“ aufzeigen. Auf der Grundlage des 1963 von General de Gaule und Konrad Adenauer geschlossenen Vertrages fanden Frankreich und Deutschland zu einer Aussöhnung, die François Mitterrand und Helmut Kohl 1984 mit ihrem Händedruck von Verdun und Jacques Chirac 2004 durch die Einladung Gerhard Schröders zu den Gedenkfeiern der alliierten Landung 1944 in der Normandie bekräftigten.

Auch auf französischer Seite wird die „enge und vielfältige“ Zusammenarbeit beider Länder auf den „verschiedensten Gebieten“ unterstrichen. Wirtschaftlich sind Frankreich und Deutschland als ihre wichtigsten jeweiligen Partner miteinander verbunden. Politisch haben sie ihre Kooperation in den Dienst der europäischen Idee gestellt. In jüngster Zeit hat es jedoch wiederholt Störungen gegeben. Das Kräfteverhältnis verschob sich nach der Wiedervereinigung zugunsten Berlins. Die Euro-Krise hat die deutsche Dominanz noch vergrößert. Die wirtschaftlichen Erfolge Deutschlands werden von den Franzosen anerkannt, dem „deutschen Modell“ will Paris jedoch nicht unbedingt folgen. Darin liegt eine Ursache des Misstrauens, die das Klima zwischen Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel lange kennzeichneten.

Der Staatsbesuch Gaucks, der nach seiner Wahl Paris einen Antrittsbesuch abstattete, ist der erste eines Bundespräsidenten seit 1996. Damals war Roman Herzog nach Frankreich gekommen. In seiner Begleitung befand sich auch Gauck als Chef der Stasi-Unterlagenbehörde. Symbolischer Höhepunkt ist am heutigen Mittwoch ein Besuch Gaucks und Hollandes in Oradour, dessen nahezu gesamte Bevölkerung 1944 von der Waffen-SS ermordet worden war. „Wir wollen dort zeigen, dass Frankreich und Deutschland die Vergangenheit überwinden und für die Zukunft arbeiten“, sagte Hollande. Hans-Hagen Bremer

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