Politik : Zwischen Weltklima und Betriebsklima

Loske in seiner Rolle als Bremer Umweltsenator

Eckhard Stengel[Bremen]

„Senator für Umwelt und was weiß ich noch alles“: Wenn sich ein enger Mitarbeiter des Bremer „Senators für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa“, Reinhard Loske, mit dieser Ressortbezeichnung am Telefon meldet, dann bringt er flapsig auf den Punkt, wo sein Chef Prioritäten setzt: Zuerst kommt die Ökologie, dann der Rest seines Ressorts. Das gefällt nicht allen Bremern. Die Lokalzeitung „Weser-Kurier“ nennt Loske lästernd „Weltklimabeauftragten“.

In Berlin war der ausgebildete Bankkaufmann und promovierte Diplom-Volkswirt bis 2002 umwelt- und bildungspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion und anschließend Vizefraktionschef, bis er 2006 nach einer inhaltlichen Abstimmungsniederlage gegen Ex-Umweltminister Jürgen Trittin zurücktrat. Vor einem halben Jahr holte die neue rot-grüne Koalition in Bremen den gebürtigen Westfalen an die Weser.

„Es gab am Anfang eine Fremdel- Phase“, gibt der 48-Jährige zu. Aber dann ließ er sich doch auf die Niederungen der Kommunalpolitik ein, besuchte Straßenfeste, kümmerte sich um Parkboxen und Verkehrsberuhigungen. Allerdings nimmt er nicht alles hin, was ihm Bremens große Koalition vererbt hat. So versucht er, strittige Straßenbauprojekte anwohnerfreundlich umzuplanen. Statt demnächst eine neue Stadtautobahn mitzueröffnen, besucht er an dem Tag lieber ein Fachgespräch über Klimawandel und Deichschutz bei seinem Ex-Arbeitgeber „Wuppertal Institut“. Bürgerinitiativen und Ökologen schätzen ihn, wirtschaftsnahe Kritiker titulieren ihn dagegen als „Bauverhinderungssenator“ mit „Beton- Allergie“. Dabei möchte Loske eigentlich „Wirtschafts- und Umweltinteressen zusammenführen, also mit grünen Themen schwarze Zahlen schreiben“. Sogar Schwarz-Grün könnte er sich grundsätzlich vorstellen.

Während Loske in Bremen polarisierend wirkt, versucht er sich überregional weiter zu profilieren. Der zurzeit einzige grüne Umweltminister Deutschlands („Ich bin Ökologe durch und durch“) lässt sich gerne von großen Zeitungen oder Sendern interviewen – zum Zustand der Grünen und des Weltklimas. In seiner Behörde hatte er jüngst ein Betriebsklima-Problem: Er trennte sich überraschend von seiner parteilosen Staatssekretärin Cornelia Ziehm (37), die gerade erst dreieinhalb Monate im Amt war. Loske hatte die angesehene Juristin von der Deutschen Umwelthilfe abgeworben, obwohl er sie kaum kannte, sie noch nie eine Behörde geleitet hatte und offenbar keine Erfahrung im Durchsetzen politischer Ziele besaß. Im Amtsalltag kamen die beiden nicht miteinander klar. Nach ihrem Rauswurf stehen ihr 55 000 Euro Übergangsgelder zu – der „ wohl teuerste Lehrling Bremens“, wie der Bund der Steuerzahler die Absetzung kritisiert.

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