Politik : Zwischen zwei Polen

„Wir können uns den Konflikt nicht leisten“ – Warschaus Präsident Kwasniewski sprach mit Bush über Berlin und will vermitteln

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Von Christoph von Marschall

Die Verstimmung zwischen Deutschland und Amerika bringt die Gastgeber des Treffens der Nato-Verteidigungsminister heute und morgen in Warschau in Schwierigkeiten. In der Sicherheitspolitik sind die USA Polens engster Verbündeter, in Europa ist es Deutschland. Kann Warschau das Gespräch vermitteln, das US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld seinem deutschen Kollegen Peter Struck bisher verweigert?

„Ich bin bereit zu helfen, soweit es in meiner Macht steht, aber vermitteln, schon jetzt – das wird schwer“, sagt Polens Präsident Aleksander Kwasniewski nach einem Telefonat mit US-Präsident Bush dem Tagesspiegel. „Präsident Bush hat mit mir über das fatale Zitat von Herta Däubler-Gmelin gesprochen. Ich habe dafür geworben, die Umstände zu sehen und Geduld zu haben, bis die Wahl vorüber ist. Aber dieser Hitler-Vergleich hat ihn tief verletzt.“

Polens Präsident ist besorgt über das Klima. „Wir können uns so schwerwiegende Misshelligkeiten zwischen der Bundesregierung und Washington nicht leisten: weder Europa, noch die Nato, noch die Welt. Das Verhältnis muss in Ordnung gebracht werden. Und das wird es auch, sobald sich die Gemüter etwas abgekühlt haben. Jede Bundesregierung, egal wer sie führt, kann gar nicht anders, als das traditionell gute und verlässliche Verhältnis zu Amerika zu bewahren.“ Und so definiert der Sozialdemokrat Aleksander Kwasniewski, der im sozialistischen Polen vor der Wende von 1989 Jugend- und Sportminister war, die Scheidelinie zwischen „erlaubter, ja notwendiger Kritik“ und, „unklugen – oder sagen wir es ganz direkt – dummen Äußerungen, die die Atmosphäre vergiften: Deutschland darf selbstverständlich gegensätzliche Meinungen zu Amerika, etwa in der Irak-Frage, vertreten. Nur darf das niemals in antiamerikanische Politik umschlagen. Die Bundesrepublik war in den letzten 50 Jahren nie antiamerikanisch, dafür wissen die Deutschen viel zu gut, wie viel sie Amerika verdanken.“

Bush habe nicht allein wegen dieses Themas am Wochenende mit ihm telefoniert, sagt Kwasniewski. „Es ging um drei Dinge: Die Vorbereitung des Nato-Treffens jetzt in Warschau sowie des Nato-Gipfels in Prag, unsere Haltung zum Irak samt der Notwendigkeit einer neuen, harten UN-Resolution sowie unsere bilateralen Beziehungen, die sich ausgezeichnet entwickeln. Doch zwangsläufig kommt das Gespräch an so einem Wahltag auf Deutschland.“

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