Politik : Zwischenfall beim Besuch des Bundestagspräsidenten in Israel

Thomas Kröter

Zu einem Zwischenfall kam es, als Bundestagspräsident Wolfgang Thierse am Donnerstag auf seiner Reise nach Israel und in die palästinensischen Autonomiegebiete die Stadt Hebron besuchte. Ein radikaler jüdischer Siedler kam auf den SPD-Politiker zu und rief: "Herr Präsident, zeigen Sie Ihr Nazigesicht." Der den israelischen Sicherheitskräften bekannte und mit Namen "Abbie" angesprochene Mann wurde daraufhin von diesen abgedrängt. Wegen des sich anschließenden Tumults, an dem weitere Siedler teilnahmen, brach Thierse seinen Rundgang durch die Stadt ab und fuhr im Dienstwagen des Leiters der Deutschen Vertretung in den Gebieten, Horst Freitag, zu einem Gespräch mit Bürgermeister Mustafa Abdul Nabi und weiteren palästinensischen Politikern in das Gebäude der Stadtverwaltung.

Thierse zeigte sich anschließend unbeeindruckt. "Ich wäre weitergegangen", sagte er dem Tagesspiegel. "Das waren doch nur ein paar Hanseln". Auch dieser "kleine Zwischenfall" zähle zu seinen wichtigen Eindrücken auf der einwöchigen Reise. Zu dem Vorfall war es gekommen, als der Bundespräsident die Shuhadastraße in Begleitung des Bürgermeisters besucht hatte. Das 37 Kilometer von Jerusalem gelegene Hebron gilt schon lange als "heiliges Pulverfass". Es wurden von Juden und Moslems wegen der zahlreichen hier gelegenen biblischen Gräber, unter anderem des Stammvaters Abraham, als heilige Stätte verehrt. 1995 hatte der zu den 200 israelischen Siedlern in der rund 200 000 Einwohner zählenden Stadt gehörende Baruch Goldstein 29 Moslems beim traditionellen Freitagsgebet erschossen.

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