Politik : Zwischenfall in französischer Atomanlage

Lyon - In Frankreich hat sich erneut ein Zwischenfall in einer Atomanlage ereignet. Durch ein defektes Ventil sei eine winzige Menge radioaktives Uran in einen unterirdischen Abwasserkanal des Werks im südfranzösischen Pierrelatte geraten, teilte die Betreiberfirma Comurhex, eine Tochter des Areva-Konzerns, am Freitagabend in einer Erklärung mit.

Laut Berechnungen des Werks konnten 250 Gramm Uran jährlich in den den Abwasserkanal umgebenden Boden gelangen. Die Präfektur von Drôme teilte mit, die Umweltrisiken durch das Leck erschienen nach den bisher zugänglichen Informationen sehr gering. Zugleich kündigten die Behörden eine genauere Überprüfung des Schadens an.

Comurhex gab an, Arbeiter hätten während Modernisierungsarbeiten in der Atomanlage bemerkt, dass ein Ventil defekt gewesen sei. Dadurch seien gelegentlich Abwässer aus einem Analyselabor in einen eigentlich nicht mehr genutzten Abwasserkanal gelangt. Die Abwässer sollten demnach eigentlich in eine Wiederaufbereitungsanlage geleitet werden. „Angesichts des geringen und sehr unregelmäßigen Durchflusses kann die Menge des betroffenen Materials nur gering sein“, hieß es in der Erklärung der Betreiber. In der Anlage in Pierrelatte wird Uranhexafluorid hergestellt, das für die Urananreicherung gebraucht wird.

Die Atomaufsichtsbehörde will nun jedoch eine Untersuchung einleiten. Das berichtete die Tageszeitung „Le Parisien“ am Samstag. Es solle festgestellt werden, inwieweit entgegen der Angaben des Betreibers die Umwelt durch das Leck belastet worden ist.

In der südfranzösischen Atomanlage Tricastin hatten sich Anfang Juli und Anfang August Zwischenfälle ereignet, die nach Behördenangaben keine Gefahr für die Bevölkerung darstellten. Bei dem Vorfall im Juli mussten 127 Beschäftige von dem Werksgelände in Sicherheit gebracht werden. 45 davon wurden zur Untersuchung in ein Krankenhaus eingewiesen. Bei Tests seien „extrem schwache Spuren von Radioaktivität“ bei zwei Menschen festgestellt worden, hieß es damals vonseiten der Werksleitung.

Der Nuklearkomplex Tricastin liegt am Rhôneufer zwischen Valence und Avignon. Er ist nach der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague die wichtigste atomare Industrieanlage Frankreichs und umfasst unter anderem ein Kernkraftwerk mit vier Reaktorblöcken, zwei Urananreicherungsanlagen und eine Urankonversionsanlage. AFP/dpa

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