Zwischenlager : Störung in Gorleben noch nicht behoben

Eine angeblich kleine Störung im Atommüllzwischenlager Gorleben hat sich zu einem größeren Problem ausgewachsen. Der Betreiber, die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), bekommt die Panne offensichtlich nicht ohne Weiteres in den Griff.

Reimar Paul

Göttingen - Am Samstagnachmittag hatte das automatische Überwachungssystem für die Castorbehälter eine Warnmeldung ausgelöst. Die Anzeige „Sperrdruck tief“ wies auf eine Störung am Behälter mit der Seriennummer 69 hin, der Ende 2005 von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in das Zwischenlager gebracht worden war. Er enthält 28 Glaskokillen, Edelstahlzylinder, die in Glas eingeschmolzene hoch radioaktive Abfälle enthalten.

Die GNS ließ den Behälter in den Wartungsraum des Zwischenlagers schaffen und untersuchen. Ein elektrischer Defekt am Verbindungskabel habe die Meldung aktiviert, hieß es zunächst. Die Störung ohne jede sicherheitstechnische Relevanz sei rasch behoben worden. Radioaktivität sei nicht ausgetreten, eine Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden.

Nach dem Austausch der vermeintlich defekten Kabelverbindung trat dieselbe Warnmeldung aber bereits am Sonntag erneut auf. Am Montag räumte GNS-Sprecher Jürgen Auer ein, dass nicht ein Defekt am Kabel, sondern an einem zwischen den beiden Deckeln des Castorbehälters befindlichen Druckschalter die Störung ausgelöst hat. Ihre Behebung und die Untersuchung der Ursachen werde noch einige Tage dauern, kündigte Auer an. Bereits Anfang März hatte es eine ähnliche Störung gegeben. Im Gorlebener Zwischenlager stehen insgesamt 86 Castorbehälter mit Glaskokillen und fünf weitere mit hoch radioaktiven Brennelementen aus Atomkraftwerken. Atomkraftgegner werten den neuerlichen Zwischenfall als weiteren Beleg für die Störanfälligkeit von Atomanlagen. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg warnte davor, den Defekt herunterzuspielen. Auch wenn es keine Freisetzung von weiterer Radioaktivität gegeben habe, sei doch das Personal bei der Prüfung des Behälters zusätzlicher Strahlung ausgesetzt.

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